Anzeichen für einen Bärenmarktboden
Der Juni endete mit dem niedrigsten Monatsschlusskurs dieses Bärenmarkts. Gleichzeitig zeigen sich erstmals Anzeichen dafür, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Auch das Verhalten der Anleger scheint sich zu verändern. In dieser Ausgabe der Market News blicken wir auf ein schwieriges Quartal zurück und gehen der Frage nach, ob damit der Grundstein für eine Erholung gelegt wurde.
Markt-Update
Bitcoin beendete den Monat Juni bei 51.300 €, ein Rückgang von 19 %. Damit verzeichnete der Juni den niedrigsten Monatsschlusskurs dieses Bärenmarkts. Zuvor lag dieses Tief bei 56.800 € im Februar.
Damit liegen nun drei Verlustquartale in Folge hinter uns. In der ersten Phase eines Bärenmarkts dominieren Angst und Panik. Später weichen diese Gefühle Kapitulation und Resignation. Genau in dieser Phase befinden wir uns derzeit.
Der Juni begann mit einem deutlichen Kursrückgang. Viele der größten Kryptowährungen verloren innerhalb weniger Tage rund 20 %. Seitdem bewegt sich der Markt größtenteils seitwärts. Gegenüber Anfang Juni liegen BTC und ETH weiterhin rund 10 % im Minus, während SOL und HYPE ihre Verluste vollständig wettmachen konnten. Lässt man Stablecoins außer Betracht, handelt es sich dabei um die Kryptowährungen auf den Plätzen 1, 2, 5 und 7 nach Marktkapitalisierung.
Sollten die Kurse in den kommenden Wochen wieder anziehen, stellt sich die Frage, ob der Juni den Tiefpunkt dieses Bärenmarkts markiert hat. Erstmals gibt es dafür tatsächlich Hinweise, etwa durch positive Signale im Wochenchart. Mehr Gewissheit wird es jedoch erst geben, wenn sich im selben Wochenchart ein erstes höheres Hoch bildet. Dafür müsste Bitcoin über 70.300 € steigen.
Im Fokus
Die Hodler scheinen zurück zu sein
Auf den ersten Blick wirkt Bitcoin schwach. Seit acht Wochen in Folge verzeichnen US-amerikanische Bitcoin-ETFs Kapitalabflüsse. Seit der Woche vom 15. Mai summieren sich die Nettoabflüsse auf mehr als 8 Milliarden $. Allein in der Woche bis zum 26. Juni zogen Anleger 1,8 Milliarden $ aus den Fonds ab. In der Woche bis zum 2. Juli kamen weitere 526 Millionen $ hinzu.
Diese Fonds sind liquide, einfach zu kaufen und genauso einfach wieder zu verkaufen. Sie eignen sich daher, um schnell ein Engagement in Bitcoin aufzubauen – oder es bei veränderten Marktbedingungen ebenso schnell wieder zu reduzieren. Genau das scheint derzeit zu passieren. Der Datenanbieter Glassnode spricht von „institutional de-risking“: Institutionelle Anleger reduzieren ihr Risiko und verstärken damit die jüngste Kursschwäche.
Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Laut Glassnode haben Long-Term-Holder wieder damit begonnen, Bitcoin zu akkumulieren. Dabei handelt es sich um Anleger, die ihre Bitcoin über einen langen Zeitraum halten und in Phasen von Marktdruck historisch gesehen seltener verkaufen. Ihre Netto-Positionen sind zuletzt wieder gestiegen, nachdem sie zuvor über längere Zeit hinweg Bestände abgebaut hatten.
Die Kapitalabflüsse aus den Fonds erzählen also nicht die ganze Geschichte. Denn jedem Verkäufer steht auch ein Käufer gegenüber, der den aktuellen Preis für attraktiv hält. Ein Teil der Bitcoin scheint damit von kurzfristig handelnden institutionellen Anlegern zu Investoren mit einem längeren Anlagehorizont überzugehen.
Es ist allerdings noch zu früh, dies als endgültige Verteidigungslinie des Marktes zu bezeichnen. Glassnode weist darauf hin, dass ein solches Verhalten in der Vergangenheit häufig einer Erholung vorausging, schränkt jedoch ein, dass dieses Signal über einen längeren Zeitraum bestehen muss, bevor von einer echten Akkumulationsphase gesprochen werden kann.
Ein weiterer Hinweis kommt von K33. Nach Angaben der Research-Abteilung des Brokers befinden sich inzwischen fast 80 % aller im Umlauf befindlichen Bitcoin in den Händen von Long-Term-Holdern – ein Rekordwert. Zudem werden vergleichsweise wenige ältere Coins wieder bewegt. Bis zum 6. Juni wechselten in diesem Jahr 218.421 Bitcoin, die mindestens zwei Jahre lang gehalten worden waren, den Besitzer. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2024 waren es noch 1,18 Millionen BTC.
Damit sind wir bei einem Begriff, der älter ist als die On-Chain-Terminologie von Glassnode und K33: HODL. Der Ausdruck entstand 2013 durch einen Tippfehler im BitcoinTalk-Forum und entwickelte sich zu einem Sinnbild der klassischen Bitcoin-Strategie: nicht verkaufen, nur weil sich der Kurs bewegt, sondern an den eigenen Überzeugungen festhalten und Bitcoin weiter halten.
Kurz gesagt: Die Hodler scheinen zurück zu sein. Das ist zwar noch kein Beweis für eine Trendwende – aber es ist ein erstes positives Signal.
Weitere Nachrichten
Ethereum schafft eine zentrale Anlaufstelle für institutionelle Investoren. Die neue Non-Profit-Organisation Ethereum Institutional soll Banken, Vermögensverwalter und andere große Finanzinstitute bei Fragen rund um Tokenisierung, Stablecoins und On-Chain-Infrastruktur unterstützen. Ziel ist es, eine neutrale Anlaufstelle für Institutionen zu schaffen, denen im dezentralen Ethereum-Ökosystem bislang häufig ein klarer Zugang fehlte. Die Gründung fügt sich in einen größeren Strategiewechsel ein: Während sich die Ethereum Foundation stärker auf die Weiterentwicklung des Kernprotokolls konzentriert, übernehmen unabhängige Organisationen Aufgaben in den Bereichen Adoption, Forschung und Kommunikation.
Solana erhält mit World einen Prediction Market, der direkt in die Wallet integriert ist. Hinter dem geheimnisvollen Projekt mit dem Slogan „Trade Everything“ verbirgt sich kein Memecoin, sondern eine vollständig On-Chain-basierte Prognoseplattform. Nach der Enthüllung begann der Handel mit sogenannten Event Contracts unmittelbar, unter anderem in Phantom, einer beliebten Solana-Wallet. Chainlink liefert die Daten und übernimmt die Abwicklung, während Phantom für die Distribution sorgt. Zum Start konzentriert sich World auf Ereignisse aus den Bereichen Kryptowährungen und Sport, soll jedoch schon bald auch geopolitische und makroökonomische Themen abdecken.
Cloudflare führt Zahlungsmodelle für ein Internet ein, in dem KI-Agenten die Kunden sind. Das sogenannte Monetization Gateway ermöglicht die nutzungsbasierte Abrechnung des Zugriffs auf Webseiten, Datensätze, APIs und MCP-Tools. Transaktionen werden zunächst über Stablecoins und das offene x402-Protokoll abgewickelt. Cloudflare versucht damit, ein durch KI verschärftes Problem zu lösen: Agenten generieren Mehrwert aus Inhalten und Infrastruktur, ohne Werbung zu sehen oder Abonnements abzuschließen. Die Bezahlung hierfür wird direkt in die Webanfrage integriert.
Strategy will mit einer aktiveren Kapitalpolitik das Vertrauen der Anleger stärken. Anfang vergangener Woche stellte das Unternehmen von Michael Saylor neue Maßnahmen vor. Die Dividende auf STRC wurde leicht angehoben, gleichzeitig wurden die Dollarreserven auf mehr als 2,5 Milliarden $ aufgestockt. Darüber hinaus wurde ein Programm eingerichtet, das den Verkauf von Bitcoin im Umfang von bis zu 1,5 Milliarden $ ermöglicht. Mit den Erlösen sollen die Dollarreserven aufgefüllt werden, aus denen die Dividenden für STRC finanziert werden. Strategy macht damit deutlich, dass auch eine auf Bitcoin ausgerichtete Unternehmensstrategie eine aktive Steuerung der Kapitalstruktur erfordert. Die Anleger honorierten diesen Schritt: Seit der Ankündigung legten MSTR und STRC um mehr als 20 % zu.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt weder eine Marketingmitteilung noch eine Empfehlung dar. Keiner der hierin enthaltenen Inhalte sollte als Anlageberatung oder deren Ersatz betrachtet werden. Bitvavo übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Es besteht die Möglichkeit, dass du dein gesamtes investiertes Kapital verlierst.