Der Bärenmarkt hat seinen Charakter verändert
Die Spannungen an den Finanzmärkten nehmen zu, unter anderem durch wiederkehrende geopolitische Konflikte. Bitcoin blieb davon bisher unbeeindruckt. Das heißt aber nicht, dass nichts passiert: Der Markt konzentriert sich zunehmend auf den Aufbau statt auf den Abbau. Von strategischen Neuausrichtungen bis hin zu neuen Schritten in Richtung Quantensicherheit – diese Ausgabe der Market News zeigt, wie sich ein Bärenmarkt langsam wandeln kann.
Markt-Update
Abseits des Kryptomarktes braut sich viel Unruhe zusammen. Die Kurse von KI-Aktien fallen stark, die wichtigsten Aktienindizes stagnieren, und der Krieg im Iran flammt wieder auf. Brent-Rohöl kostete letzte Woche 102 $ pro Barrel, 45 % mehr als drei Wochen zuvor. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf 4,7 %, den höchsten Stand seit Januar 2025.
Bislang ist Bitcoin davon weitgehend unberührt. Der Kurs profitiert zwar etwas von den Marktbewegungen, entwickelt sich aber ansonsten unabhängig. Charakteristisch für diese Phase des Bärenmarktes ist, dass sich der Fokus von Problemen auf Lösungen verlagert. Während der Panik und Kapitulation im ersten Quartal sah die Zukunft düster aus: Quantencomputer würden die Sicherheit von Bitcoin gefährden, Strategy würde zusammenbrechen, und die Trump-Regierung betrachtete Kryptowährungen lediglich als Spielzeug.
Doch Bärenmärkte dienen dem Aufbau. Strategy hat seinen politischen Rahmen überarbeitet und eine Dollarreserve von 3,2 Milliarden $ aufgebaut, genug für fast zwei Jahre an Verpflichtungen. US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete Kryptowährungen in einer wichtigen Rede als strategisch und geopolitisch bedeutsam.
Dies spiegelt sich bisher noch nicht im Preis wider. Die aktuell aktiven Investoren bauen stillschweigend eine langfristige Position auf. Die breite Masse kehrt in der Regel erst zurück, wenn der Tiefpunkt eindeutig überschritten ist und die Kurse rasant steigen. Ein starkes Indiz dafür wäre ein Ausbruch über die Zone von 67.000 € bis 72.000 €. Zu diesem Zeitpunkt läge Bitcoin über dem 50-Wochen-Durchschnitt, dem volumengewichteten Durchschnitt seit dem Höchststand und dem lokalen Höchststand vom 6. Mai.
Im Fokus
Bitcoin macht Schritte in Richtung Quantensicherheit
Seit Jahren schwebt eine gewisse Bedrohung über dem Bitcoinmarkt. Leistungsstarke Quantencomputer könnten in Zukunft möglicherweise die Kryptografie hinter Bitcoin durchbrechen. Selbst wenn dieser Zeitpunkt noch weit entfernt liegt, kann die Unsicherheit darüber bereits jetzt die Bewertung von Bitcoin beeinflussen. Je glaubwürdiger die Bedrohung, desto größer der Abschlag, den Anleger dafür einpreisen.
Aber das Gegenteil gilt ebenso. Je klarer wird, dass das Risiko ernst genommen wird und konkrete Lösungen in Entwicklung sind, desto kleiner kann diese Sorge werden. Und genau das scheint jetzt zu passieren.
Niemand weiß, wann Quantencomputer stark genug werden, um eine Gefahr für Bitcoin darzustellen. Schätzungen reichen vom Ende dieses Jahrzehnts bis zu vielen Jahren später. Das Risiko selbst ist jedoch bekannt: Ein ausreichend leistungsstarker Quantencomputer könnte bei bestimmten anfälligen Bitcoins den privaten Schlüssel ermitteln. Damit könnten die Coins ohne Zustimmung des Eigentümers ausgegeben werden.
Technisch betrachtet ist das kein unlösbares Problem. Es gibt bereits sogenannte quantensichere Algorithmen. Auch wurden verschiedene Wege erkundet, um Bitcoin darauf umzustellen. Die größte Herausforderung liegt vor allem im Organisatorischen. Bitcoin hat kein Gremium, das eine Änderung verordnen kann. Entwickler, Nutzer, Miner und Unternehmen müssen gemeinsam genügend Vertrauen in eine Lösung gewinnen. Ein solcher Prozess braucht Zeit.
Deshalb stellt Galaxy Digital bis zu 5 Millionen $ für Entwickler und Forscher bereit, die an quantensicheren Transaktionen und Werkzeugen für einen künftigen Umstieg arbeiten. Ein spezialisierter Beirat soll das Forschungs- und Förderprogramm begleiten.
Zudem wurde ein noch breiteres Bündnis angekündigt. Neun Unternehmen, darunter BlackRock, Fidelity und Strategy, wollen in den kommenden drei Jahren gemeinsam 15 Millionen $ in die Sicherheit von Bitcoin investieren. Quantensicherheit ist ein wichtiger Bestandteil dieses Programms, wobei auch an anderen Fragestellungen gearbeitet wird. Die beteiligten Unternehmen entscheiden jeweils selbst, welche Projekte und Entwickler sie finanzieren.
Damit verändert sich der Charakter der Quantenbedrohung. Das Problem ist noch nicht verschwunden, und Bitcoin ist noch nicht vollständig auf leistungsstarke Quantencomputer vorbereitet. Aber die Branche wartet auch nicht länger ab. Große Unternehmen mit erheblichen Beteiligungen an Bitcoin investieren Geld, Wissen und Zeit in Forschung und Entwicklung.
Eine Sorge, die lange Zeit vor allem theoretisch über dem Markt schwebte, bewegt sich damit langsam in Richtung einer praktischen Lösung. Je früher diese Vorbereitung beginnt, desto größer die Chance, dass Bitcoin angepasst werden kann, bevor die Bedrohung tatsächlich akut wird.
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