Frühe Anzeichen einer Bodenbildung
Der Kryptomarkt scheint vorsichtig nach einem Boden zu suchen. Die Kurse bleiben schwach, doch mehrere Indikatoren deuten darauf hin, dass der Abwärtstrend an Dynamik verliert. Das ist noch kein Beweis dafür, dass der Tiefpunkt erreicht ist, aber ein erster Hinweis darauf, dass sich das Marktumfeld verändert. Gleichzeitig rücken Regierungen, Banken und große Investoren immer näher an die Kryptowelt heran. Mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.
Markt-Update
Bitcoin bildet in den späten Phasen von Bullen- und Bärenmärkten häufig deutliche Divergenzen aus. In einem Bullenmarkt steigt der Kurs zwar noch auf neue Höchststände, während Indikatoren wie Momentum, Handelsvolumen, On-Chain-Daten und Marktstimmung bereits nachlassen. In einem Bärenmarkt passiert das Gegenteil: Der Kurs fällt noch auf neue Tiefstände, doch die Abwärtsbewegungen verlieren zunehmend an Kraft.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Relative Strength Index (RSI) im Wochenchart. In der mittleren Phase eines Bullenmarkts steigen Kurs und RSI meist gemeinsam. Der Kurs markiert höhere Hochs, und der RSI zieht mit. Erst in der Schlussphase entsteht häufig eine Divergenz: Der Kurs steigt weiter, während der RSI zurückbleibt.
Aktuell sehen wir möglicherweise die Bärenmarkt-Variante einer solchen Divergenz entstehen. Der Wochenschlusskurs der vergangenen Woche lag mit 55.000 € leicht unter dem bisherigen Tiefststand vom Februar. Der RSI notierte hingegen deutlich höher. Derzeit sprechen wir noch von einer potenziellen bullischen Divergenz, da ein weiterer Rückgang von Kurs und RSI dieses Signal wieder zunichtemachen könnte. Erst wenn sowohl der Kurs als auch der Indikator klar einen Boden ausgebildet haben, gilt die Divergenz als bestätigt.
Dies sind frühe Anzeichen dafür, dass sich in diesem Preisbereich ein Marktboden bilden könnte. Mehr Gewissheit über einen neuen Aufwärtstrend erhalten wir erst bei einem Wochenschlusskurs oberhalb des 50-Wochen-Durchschnitts, der derzeit bei rund 78.000 € liegt. Davon sind wir jedoch noch ein gutes Stück entfernt.
Im Fokus
Ist Bitcoin größer als Strategy?
Nach dem Kursrückgang von Bitcoin beschuldigte der Markt schnell Michael Saylor. Die klassischen Medien fassten die Lage grob so zusammen: „Der Bitcoin-Kurs fiel, nachdem der US-Unternehmer, Milliardär und Bitcoin-Guru selbst Bitcoin verkauft hatte, um seine Investoren auszuzahlen.“
Saylor kaufte über Jahre hinweg Bitcoin, nahm Kapital auf und kaufte noch mehr Bitcoin. So wurde Strategy zu einem börsennotierten Hebel auf Bitcoin. Sobald ein solcher Akteur verkauft – selbst wenn es nur 32 BTC sind – wird der Markt nervös. Was passiert, wenn der größte institutionelle Käufer in der Geschichte von Bitcoin plötzlich auf die Bremse treten muss?
In den 1970er-Jahren blickte der Silbermarkt auf ähnliche Weise auf die Brüder Nelson und William Hunt aus Texas. Nachdem Präsident Nixon die Goldbindung des US-Dollars aufgehoben hatte, verloren sie das Vertrauen in das Geldsystem und setzten stattdessen auf Silber.
Zunächst kauften sie lokal, später weltweit und zunehmend auf Kredit. Über Terminkontrakte ließen sie sich das Silber physisch liefern und lagerten es in Tresoren in der Schweiz, London und den USA.
Ende 1979 kontrollierten die Brüder direkt oder indirekt einen großen Teil des frei verfügbaren Silberangebots. Der Preis stieg innerhalb eines Jahres von 6 auf 50 $ pro Unze. Juweliere und Industriebetriebe sahen ihre wichtigste Ressource nahezu unbezahlbar werden.
Dann drehte sich der Wind. Börsen und Aufsichtsbehörden erschwerten kreditfinanzierte Silberpositionen, während Banken zusätzliche Sicherheiten verlangten. Als die Hunts am 27. März 1980 eine Rechnung von rund 100 Millionen $ nicht begleichen konnten, kam es zum sogenannten Silver Thursday – dem Beginn einer kurzzeitigen Panik an den Rohstoffmärkten.
Michael Saylor erinnert in mancher Hinsicht an die Hunt-Brüder. Die Parallele liegt vor allem darin, wie der Markt auf ihn blickt. Ein knappes Gut kann zeitweise so eng mit einem einzelnen Käufer verbunden werden, dass sich alle Aufmerksamkeit auf diese Person richtet. Bei Silber waren es die Hunts, bei Bitcoin ist es Saylor.
Deshalb fühlte sich der Verkauf von 32 BTC wie ein bedeutendes Ereignis an. Plötzlich scheint die Bilanz eines Unternehmens wichtiger als das Geldsystem, in dem es agiert.
Vielleicht verfliegt dieser Zweifel wieder, vielleicht erweist sich Strategy aber auch als verwundbarer, als viele Bitcoiner wahrhaben wollen. Genau darin liegt die zentrale Frage dieser Woche: Ist digitales Gold inzwischen zu einer Saylor-Geschichte geworden – oder ist Bitcoin größer als Saylor?
Für die Antwort lohnt sich ein Blick zurück auf die Hunts. Es gab eine Zeit, in der sich Investoren fragten, ob sich der Silberpreis überhaupt noch unabhängig von zwei Brüdern aus Texas betrachten ließ. Am Ende war diese Frage wichtiger als die Antwort. Denn als die Brüder aus dem Blickfeld verschwanden, existierte Silber weiterhin.
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Die CME Group hat den 24-Stunden-Handel für Krypto-Futures und -Optionen eingeführt. Diese Erweiterung ermöglicht Anlegern erstmals den Zugang zu regulierten Derivaten auf digitale Vermögenswerte am Wochenende. Am ersten Handelswochenende wechselten über 7.200 Kontrakte mit einem zugrunde liegenden Wert von rund 50 Millionen $ den Besitzer. Jahrelang beobachteten Händler montags die berüchtigte „Wochenendlücke“ zwischen dem CME-Schlusskurs vom Freitag und dem Bitcoin-Kurs am Sonntagabend. Diese Ära geht nun zu Ende.
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