„Anleger bauen ihre Positionen aus“
Die meisten Analysten sind sich einig, dass wir uns in einem Bärenmarkt befinden. Die entscheidende Frage ist nun, ob der Tiefpunkt bereits erreicht wurde. Deshalb wird nach Signalen gesucht, die darauf Hinweise geben könnten. Glassnode analysiert dafür beispielsweise die Wallets von Anlegern: Werden Positionen aktuell eher auf- oder abgebaut? Mehr dazu in diesen Market News. Außerdem gibt es ein Update zum größten Umbau von Ethereum seit 2022.
Markt-Update
Der Kursrückgang Anfang Juni scheint Käufer zurück in den Bitcoin-Markt gelockt zu haben, schreiben die Analysten von Glassnode auf X. Als Hinweis darauf verweisen sie auf den Accumulation Trend Score. Dieser zeigt auf Basis von On-Chain-Daten, ob Wallets netto Kryptowährungen akkumulieren oder eher verkaufen. In den vergangenen Wochen überwog die Akkumulation: Anleger haben ihre Positionen ausgebaut.
Im Monatschart ist die Zone zwischen 50.000 und 60.000 € pro Bitcoin besonders wichtig. Dort liegen die Höchststände des Bullenmarktes von 2021 sowie die lange Konsolidierungsphase im Sommer 2024. Zudem verlaufen die gleitenden Durchschnitte mit einer Länge von etwa vier Jahren aktuell in diesem Bereich. Im Monatschart lassen sich dafür der MA (Moving Average) oder EMA (Exponential Moving Average) über 48 Monate heranziehen.
Der Vierjahresdurchschnitt umfasst einen kompletten Marktzyklus aus Bullen- und Bärenmarkt und gilt als Näherung an den durchschnittlichen Einstiegskurs der Anleger, die in diesem Zeitraum aktiv waren. In der Vergangenheit wurden die Tiefpunkte von Bärenmärkten häufig in der Nähe dieses Durchschnitts gebildet.
Damit die Zone zwischen 50.000 und 60.000 € als Sprungbrett für den nächsten Bullenmarkt dienen kann, sollte Bitcoin keinen Monatsschlusskurs unter 50.000 € ausbilden. Ein kurzfristiger Ausflug darunter innerhalb des Monats – wie etwa im August 2024 – wäre dagegen unproblematisch. In diesem Fall könnte sich der aktuelle Bärenmarkt in vielerlei Hinsicht als vergleichsweise mild erweisen.
Im Fokus
Großes Ethereum-Upgrade rückt näher
Das Upgrade mit dem Namen Glamsterdam hat zwar noch kein endgültiges Veröffentlichungsdatum, die Entwickler befinden sich jedoch bereits in der letzten Testphase für die geplanten Änderungen. Wenn alles nach Plan verläuft, soll die Aktivierung in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 erfolgen.
Glamsterdam gilt als das größte Upgrade der Ethereum-Basisschicht seit dem Merge, also dem Übergang zu Proof of Stake im Jahr 2022. Es umfasst eine Reihe von Anpassungen, die das Netzwerk schneller und fairer machen sollen. Einer der wichtigsten Bestandteile ist die Einführung von ePBS (Enshrined Proposer-Builder Separation).
Das klingt zunächst sehr technisch, das zugrunde liegende Problem lässt sich jedoch leicht verstehen. Bei Ethereum wird alle paar Sekunden ein Validator ausgewählt, der einen neuen Block vorschlagen darf. Der Block enthält Transaktionen, deren Reihenfolge einen finanziellen Wert haben kann. Insbesondere im DeFi-Bereich kann es einen Unterschied machen, ob eine Order unmittelbar vor oder nach einer anderen Transaktion ausgeführt wird. Spezialisierte Bots können daraus Vorteile ziehen – mitunter auf Kosten gewöhnlicher Nutzer.
Dieser zusätzliche Wert wird als MEV bezeichnet, kurz für Maximal Extractable Value. Das Thema beschäftigt die Ethereum-Community bereits seit Jahren. Nicht jede Form von MEV ist problematisch, doch die nachteiligen Varianten wirken wie eine versteckte Steuer für die Nutzer.
Hinzu kommt, dass die Erstellung von Blöcken zunehmend komplexer geworden ist. Viele Validatoren übernehmen diese Aufgabe deshalb nicht mehr selbst, sondern greifen auf externe Software und spezialisierte Anbieter zurück. Diese konkurrieren darum, den attraktivsten Block bereitzustellen. Der Validator entscheidet sich in der Regel für den Block mit der höchsten Vergütung.
Dieses Modell funktioniert zwar, macht Ethereum jedoch von Infrastruktur abhängig, die außerhalb des eigentlichen Protokolls liegt. Wenn zudem eine kleine Zahl von Akteuren einen großen Teil der Blockproduktion beeinflusst, entsteht eine Machtkonzentration, die nicht zum dezentralen Charakter von Ethereum passt.
Genau hier soll ePBS ansetzen. Die Trennung zwischen dem Validator, der einen Block vorschlägt, und der Partei, die den Block erstellt, wird direkt in Ethereum integriert. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von externen Anbietern. Zudem hoffen die Entwickler, dass sich die durch MEV abgeschöpfte Wertschöpfung deutlich reduziert. In Entwicklerforen wird eine Verringerung um bis zu 70 % diskutiert.
Glamsterdam umfasst darüber hinaus weitere Verbesserungen, darunter die parallele Verarbeitung von Transaktionen und eine feinere Aufteilung der Gasgebühren. Insgesamt sollen die Änderungen die Kapazität des Ethereum-Netzwerks erhöhen. Ob die versprochenen hohen Transaktionszahlen pro Sekunde und niedrigeren Gebühren tatsächlich erreicht werden, muss sich allerdings erst in der Praxis zeigen.
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