Bärenmarkt geht in den siebten Monat

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Bitvavo1. Juni 2026

Der Kryptomarkt befindet sich nun seit sieben Monaten in einem Bärenmarkt. Die meisten Kurse bewegen sich seitwärts, und die Geduld der Anleger wird auf die Probe gestellt. Doch hinter den Kulissen tut sich mehr, als die Charts vermuten lassen. Banken, Vermögensverwalter und Krypto-Unternehmen arbeiten weiterhin an der Finanzinfrastruktur von morgen. In dieser Ausgabe der Market News beleuchten wir das Spannungsverhältnis zwischen einem Markt, der weiterhin unter Druck steht, und einem Sektor, der sich stetig weiterentwickelt.

Markt-Update

Nach zwei positiven Monaten schloss Bitcoin den Mai mit einem leichten Minus von 2,9 % bei 63.100 €. Der Kurs liegt weiterhin deutlich unter dem 12-Monats-Durchschnitt, der in der Vergangenheit als gute Trennlinie zwischen Bullen- und Bärenmärkten diente.

Im Bärenmarkt von 2018 blieb der Kurs zehn Monate lang unter diesem dominanten Durchschnitt, bevor ein Ausbruch darüber einen neuen Bullenmarkt bestätigte. In den Bärenmärkten von 2014 und 2022 verweilte der Kurs länger im Bärenmarkt, nämlich dreizehn Monate.

Der Juni ist der siebte Monat dieses Bärenmarktes. Sollte er sich als durchschnittlich erweisen, haben wir mehr als die Hälfte hinter uns. Im Falle eines milden, kurzen Bärenmarktes nähern wir uns bereits dem Ende. In diesem Fall könnten wir im Sommer einen Monatsabschluss über dem dominanten Durchschnitt von aktuell 76.000 € erleben.

Wie in jedem Bärenmarkt gibt es auch hier Token, die sich dem allgemeinen Trend widersetzen, oft aus nachvollziehbaren Gründen. So profitiert beispielsweise HYPE von der Aufmerksamkeit, die Aktie-Futures im Vorfeld eines Börsengangs (IPO) erhalten, wobei SpaceX als besonders auffälliges Beispiel dient. Dies sind jedoch Ausnahmen, und der allgemeine Trend bleibt abwärtsgerichtet.

Im Fokus

Ethereum zweifelt an sich selbst

Was, wenn Ethereum erfolgreich ist, ETH aber nicht?

Diese unbequeme Frage schwebte letzte Woche über dem Ethereum-Ökosystem. Auslöser war David Hoffman, eines der Gesichter von Bankless, der den Verkauf seiner ETH bekannt gab. Er begründete seine Entscheidung mit einem Paradoxon: Ethereum sei wertvoll, aber ETH spiegelte diesen Wert nicht ausreichend wider.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Ethereum ist zweifellos eines der wichtigsten Netzwerke der Kryptowelt. Es bildet die Basis für Stablecoins, tokenisierte Assets, DeFi, Layer-2-Netzwerke und zahlreiche Experimente, die auch von traditionellen Finanzakteuren beobachtet werden. Das Netzwerk schafft Wert.

Die einzige Frage ist: Wo landet dieser Wert? Bei den ETH-Inhabern? Bei den Stablecoin-Emittenten? Bei Fintechs wie Square? Bei J.P. Morgan, Fidelity oder anderen Unternehmen, die auf dieser Infrastruktur aufbauen?

Das ist der Kern von Hoffmans Zweifel. Ethereum könnte sich zu einer Art Finanzinternet entwickeln, das neutral, offen, programmierbar und jederzeit verfügbar ist. Doch auch das Internet selbst war nicht unbedingt die beste Investition. Die großen Gewinner waren die Unternehmen, die darauf aufbauten.

Zufälligerweise äußerte sich auch Ethereum-Gründer Vitalik Buterin mehr oder weniger zeitgleich. Buterins Gedanken betrafen die Stiftung hinter dem Netzwerk, die Ethereum Foundation. Seine Botschaft scheint im Widerspruch zu Hoffmans Hoffnung zu stehen: Die Stiftung müsse kleiner, fokussierter und prinzipientreuer werden. Sie solle nicht versuchen, alles abzudecken und nicht obsessiv um Skalierbarkeit konkurrieren. Stattdessen solle die Stiftung jene Eigenschaften schützen, hinter denen weniger direkte Geschäftsmodelle stehen.

Genau an diesem Punkt gehen die Interessen auseinander. Für Vitalik wird Ethereum nur dann erfolgreich sein, wenn es sich zu einer robusten öffentlichen Infrastruktur entwickelt. Für ETH-Investoren reicht das nicht. Sie wollen wissen, ob diese Infrastruktur auch zu einer steigenden Nachfrage nach ETH selbst führt.

Vitalik argumentiert, dass die Fokussierung auf das unmittelbar Kommerzielle zu Mittelmäßigkeit führt. Seiner Ansicht nach muss Ethereum die glaubwürdigste neutrale Basisschicht der Welt werden. Fünf Eigenschaften des Netzwerks dienen dabei als Leitprinzipien, die er treffend unter dem Akronym CROPS zusammenfasst: censorship resistance, capture resistance, openness, privacy and security (deutsch: Zensurresistenz, Widerstand gegen Vereinnahmung, Offenheit, Privatsphäre und Sicherheit).

Wenn Ethereum beweist, dass es diese Basisschicht sein kann, wird sich das automatisch im ETH-Preis widerspiegeln, so Vitaliks Überzeugung. „Ich habe 90 % meines Vermögens darin investiert“, betont Vitalik. Damit beweist er, dass er es ernst meint. Der Markt wird entscheiden müssen, welche Vision von Ethereum sich bewahrheitet: die von Hoffman oder die von Vitalik.

Weitere Nachrichten

  1. Hyperliquid bleibt die Erfolgsgeschichte dieses Bärenmarkts. Laut Grayscale hat sich die Plattform inzwischen zu einem ernstzunehmenden Akteur im Finanzsektor entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden rund 3 Billionen $ Handelsvolumen abgewickelt, bei geschätzten 800 Millionen $ Umsatz. Neben Krypto bietet Hyperliquid mittlerweile auch Märkte für Rohstoffe, Aktien und sogar Beteiligungen an privaten Unternehmen. Das weitere Wachstum hängt unter anderem von der US-Regulierung für Derivate und dezentrale Handelsplattformen ab.

  2. Die Stimmung im Bärenmarkt hat ihren Tiefpunkt erreicht. Im Mai erholte sich der Bitcoin-Kurs kurzzeitig und stieg fast über 70.000 €. Die kurzzeitig aufkeimende Hoffnung wurde in den letzten Wochen durch einen Kursrückgang zunichtegemacht. Dass andere Finanzmärkte gleichzeitig neue Rekordstände erreichten, war dabei das sprichwörtliche Sahnehäubchen – allerdings im negativen Sinne. Auf diesem Stimmungstief entstehen zugleich die ersten vorsichtigen Erwartungen an einen neuen Bullenmarkt. „Dieser wird sich wahrscheinlich stärker um echte Produkte als um animal spirits drehen“, argumentiert Delphi-Ventures-Gründer Tom Shaughnessy.

  3. Citi sieht enormes Potenzial für die Tokenisierung. Die Bank erwartet, dass der Markt bis 2030 auf über 5 Billionen $ anwachsen könnte. Große Finanzakteure wie Nasdaq, die New York Stock Exchange und DTCC arbeiten bereits an einer Infrastruktur für tokenisierte Aktien und Anleihen. Stablecoins spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie eine direkte Abwicklung von Transaktionen ermöglichen.

  4. J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon kritisiert Teile des US-amerikanischen Clarity Acts. Besonders die vorgesehenen Anreize rund um Stablecoins stoßen bei Banken auf Widerstand, da sie als Konkurrenz zu klassischen Bankeinlagen gesehen werden. Gleichzeitig erkennt Dimon an, dass Blockchain-Technologie und Stablecoins legitime Innovationen sind. Die Debatte über Regulierung und Verbraucherschutz bleibt damit hochaktuell.

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