Hyperliquid erreicht Allzeithoch
Der Kryptomarkt befindet sich in einer Phase, in der sich die Interessen vieler Anleger vorübergehend verlagert haben. Die Stimmung ist gedämpft und abseits von Bitcoin scheint kaum Bewegung im Markt zu sein. Genau deshalb fallen Ausnahmen so positiv auf. Hyperliquid entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten dieses Bärenmarktes, begünstigt durch Anwendungsfälle, die auch außerhalb der Kryptowelt Beachtung finden. Apropos Erfolgsgeschichten im Bärenmarkt: Bitcoin als geopolitisches Instrument gewinnt ebenfalls zunehmend an Bedeutung. Mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.
Markt-Update
In den vergangenen neun Monaten durchlief der Kryptomarkt den Übergang von einem Bullenmarkt zu einem Bärenmarkt. Die meisten Token erreichten im September oder Oktober ihren Höchststand, fielen im Januar oder Februar auf einen Tiefpunkt und bewegen sich seither seitwärts. Die Stimmung ist von Kapitulation und Resignation geprägt.
Hyperliquid (HYPE) bildet eine bemerkenswerte Ausnahme. Nach einem Höchststand von 50,47 € im September fiel der Token im Januar um 65 % auf 17,50 €. Die monatelange Seitwärtsbewegung des restlichen Marktes blieb jedoch aus. Ein neuer Aufwärtstrend begann und gipfelte letzte Woche in einem Allzeithoch von 55,62 €.
Der Grund dafür ist einfach: Die Nutzung der Plattform wächst rasant. Nicht nur innerhalb der Kryptowelt, sondern zunehmend auch darüber hinaus. Im März erregte Hyperliquid Aufmerksamkeit durch den Handel mit Öl-Futures zu Zeiten, in denen traditionelle Handelshäuser geschlossen waren. Nun geht es um Aktien-Futures im Vorfeld eines Börsengangs, mit SpaceX als prominentestem Beispiel.
In mancher Hinsicht ähnelt die Geschichte der von Polymarket: einer Krypto-Anwendung, die aufgrund ihrer innovativen Funktionen schnell große Bekanntheit erlangte. Auch bei Polymarket traten die Schattenseiten rasch zutage, und es entbrannte eine Debatte über Aufsicht und Regulierung. Dies sollte man auch bei Hyperliquid im Hinterkopf behalten.
Im Fokus
Werden die USA 1 Million Bitcoin kaufen?
In den sozialen Medien kursierte vergangene Woche das Gerücht, dass die USA kurz davor stehen, ein groß angelegtes Bitcoin-Kaufprogramm zu starten. Anlass dafür war ein neuer Gesetzesvorschlag des Republikaners Nick Begich: der American Reserve Modernization Act, kurz ARMA. Laut einigen Berichten wolle die US-Regierung fünf Jahre lang jährlich 200.000 BTC kaufen – mit dem Ziel, eine strategische Reserve von 1 Million BTC aufzubauen.
Das klingt beeindruckend, doch diese Schlussfolgerung scheint verfrüht.
Donald Trump präsentierte sich während seines Wahlkampfs ausdrücklich als „Bitcoin-Präsident“. Im März 2025 unterzeichnete er eine sogenannte Executive Order, mit der eine Strategic Bitcoin Reserve sowie ein separater Digital Asset Stockpile geschaffen wurden. Diese Reserve soll vor allem mit Bitcoins gefüllt werden, die die US-Regierung durch straf- oder zivilrechtliche Verfahren erhält. Mit anderen Worten: Bitcoins, die in den Besitz der Regierung gelangen, werden nicht länger automatisch verkauft.
Ein solches präsidentielles Dekret kann jedoch vergleichsweise leicht von einem nachfolgenden Präsidenten rückgängig gemacht werden. Genau hier kommt ARMA ins Spiel. Begich möchte die Bitcoin-Reserve gesetzlich verankern, damit sie weniger von einer einzelnen Regierung abhängig ist und stärker Teil einer langfristigen amerikanischen Reservepolitik wird.
Der vollständige Gesetzestext ist bislang noch nicht öffentlich verfügbar. Laut Begichs Erläuterung wird das Finanzministerium die Verantwortung für die Strategic Bitcoin Reserve übernehmen. Andere digitale Vermögenswerte werden in einem separaten Depot für digitale Vermögenswerte verwahrt. Regierungsbehörden müssen ihre Kryptobestände melden, die Verwaltung erfolgt zentral, und es wird vierteljährliche Berichte, unabhängige Prüfungen und eine Aufsicht durch den Kongress geben.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Bitcoin-Bestände innerhalb der Reserve mindestens zwanzig Jahre gehalten werden müssen. Damit soll verhindert werden, dass künftige Regierungen die Position verkaufen, sobald dies haushaltspolitisch attraktiv erscheint.
Die entscheidende Frage ist daher vor allem, was ARMA nicht vorsieht. Laut The Block, das angibt, den Gesetzestext eingesehen zu haben, enthält der Vorschlag keine verbindliche Verpflichtung zum Kauf von 1 Million BTC. Stattdessen soll das Finanzministerium prüfen, wie die Reserve budgetneutral erweitert werden kann – etwa durch bestehende Staatsvermögen, Beschlagnahmungen oder andere Konstruktionen, die keine zusätzlichen Steuern erfordern.
Alles in allem sind das positive Nachrichten für Bitcoin und Bitcoin-Inhaber. Zwar sorgt ARMA nicht unmittelbar für eine massive Buy Wall an den Börsen, doch es stärkt die Rolle von Bitcoin als geopolitisches und strategisches Reserveinstrument. Vielleicht ist die Entwicklung also weniger spektakulär als „Die USA kaufen 1 Million Bitcoin“. Für Bitcoin als etablierte Kryptowährung könnte sie jedoch gesünder sein: weniger Hype, mehr Transparenz und nachhaltigeres Wachstum.
Weitere Nachrichten
Truth Social zieht Anträge für Bitcoin-ETFs zurück. Trumps Medienunternehmen hat diese Woche überraschend die SEC-Verfahren für seinen Bitcoin-Fonds und den kombinierten Bitcoin/Ether-Fonds eingestellt. Dahinter steckt offenbar ein strategischer Kurswechsel. Schon bald soll ein neuer Antrag unter einem anderen regulatorischen Rahmen eingereicht werden. Dieser bietet mehr Flexibilität, etwa für den Einsatz von Futures, Derivaten und breiteren Anlagestrategien. Damit versucht Truth Social, der harten Konkurrenz im Markt für Spot-ETFs auszuweichen.
Niederländische Großbanken unterstützen nun doch einen europäischen Stablecoin. ABN AMRO, Rabobank und ING schließen sich Qivalis an – einem Amsterdamer Konsortium aus inzwischen 37 europäischen Banken, das noch in diesem Jahr unter Aufsicht der niederländischen Zentralbank DNB einen Euro-Stablecoin auf den Markt bringen will. Dieser Stablecoin soll der Dominanz von Dollar-Stablecoins wie Tether (USDT) und Circle (USDC) entgegenwirken. Bemerkenswert ist dieser Schritt, weil sich die Banken jahrelang von Kryptowährungen distanzierten und dabei auf Betrug und Spekulation verwiesen. Stablecoins sehen sie nun als möglichen Baustein für Zahlungen, Kryptohandel und Tokenisierung.
Abgänge von Führungskräften und Frust über die Governance: Ether leidet unter tiefem Bärenmarkt-Sentiment. Anleger suchen nach Erklärungen für die schwache Entwicklung der Kryptowährung. Der ETH-Kurs fiel in den vergangenen 30 Tagen um fast 10 %. Damit schnitt Ether deutlich schlechter ab als konkurrierende Coins wie Solana (-0,6 %) und Hyperliquid (+51 %). Die Kritik richtet sich zunehmend gegen die Ethereum Foundation. In den vergangenen Wochen verließen mehrere Führungskräfte die Organisation. Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin sah sich sogar zu einer persönlichen Reaktion gezwungen: Seiner Ansicht nach müsse die Stiftung kleiner, sparsamer und weniger einflussreich werden.
Krypto-Unternehmen könnten direkten Zugang zum Zahlungssystem der US-Notenbank erhalten. Damit würde eine der größten Schwachstellen der Branche wegfallen: die Abhängigkeit von Geschäftsbanken, die Konten plötzlich schließen können. Die Federal Reserve arbeitet derzeit an Payment Accounts. Dabei handelt es sich um eingeschränkte Konten, über die Unternehmen Transaktionen direkt über die Infrastruktur der Fed abwickeln können. Eine regionale Niederlassung der Zentralbank führte Anfang des Jahres bereits einen ersten Test mit diesem neuen Kontotyp durch.
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