Ruhiger Markt, starke Zuflüsse

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Bitvavo18. Mai 2026

Am Kryptomarkt wirkt es ruhig. Große Kurssprünge bleiben aus und die Aufmerksamkeit vieler Anleger richtet sich auf andere Themen. Doch die zugrunde liegenden Daten zeichnen ein anderes Bild. Über institutionelle Kanäle werden im Stillen Positionen ausgebaut und große Banken bewegen sich zunehmend in Richtung On-Chain-Produkte. In dieser Ausgabe der Market News betrachten wir einen Markt, der zwar ruhiger geworden ist, aber weiterhin voller Dynamik steckt.

Markt-Update

Ein Merkmal der aktuellen Phase des Bärenmarkts ist, dass Anleger mit langfristiger Perspektive ihre Positionen systematisch und im Stillen ausbauen. Früher waren das vor allem die Großinvestoren, Insider und erfahrene Bitcoin-Kenner. Heute gehören auch Investoren dazu, die mit Vermögensverwaltern und Finanzberatern zusammenarbeiten.

Am 7. Mai sagte Hunter Horsley, CEO von Bitwise, auf der Krypto-Konferenz Consensus: „Im ersten Quartal dieses Jahres war der Markt rückläufig. Und wir verzeichneten in den USA mehr Zuflüsse aus dem Bereich der Vermögensverwaltung als in jedem anderen Quartal der letzten acht Jahre. Diese Anleger nutzten den Kursrückgang zum Kauf.“

Ein ähnliches Signal liefern die wöchentlichen Berichte von CoinShares. Diese listen die weltweiten Geldflüsse in Kryptofonds auf. In mindestens zehn der letzten elf Wochen gab es Nettozuflüsse. In der Woche bis zum 8. Mai betrug der Zufluss 858 Millionen $.

Ein weiteres Signal zeigt sich beim Bitcoin-ETF IBIT von BlackRock. Nach dem Höchststand im Oktober sank die Anzahl der im Umlauf befindlichen ETF-Anteile zunächst um etwa 9 %. Das lag unter anderem daran, dass professionelle Händler weniger aktiv Preisunterschiede zwischen dem ETF und dem Bitcoinpreis ausnutzten. Inzwischen ist die Zahl der ausgegebenen Anteile jedoch auf ein neues Allzeithoch gestiegen – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage wieder zunimmt.

Allgemein ist es allerdings eher ruhig am Kryptomarkt. Viele Anleger sind weitergezogen. Zuerst zu Gold und Silber, inzwischen zu Aktien der Chipindustrie. Auch das ist Teil dieser Phase des Bärenmarktes. Die gute Nachricht? Sie werden von selbst zurückkehren, sobald der Kryptomarkt wieder Fahrt aufnimmt.

Im Fokus

JPMorgan legt einen On-Chain-Geldmarktfonds auf

Der Name des Geldmarktfonds klingt, als wäre er in der juristischen Abteilung der Bank entstanden: JPMorgan OnChain Liquidity Token Money Market Fund, mit dem Kürzel JLTXX. Doch hinter dieser etwas nüchternen Verpackung steckt ein interessantes Produkt.

Der Fonds läuft auf Ethereum und investiert hauptsächlich in kurzfristige US-Staatsanleihen. Anleger, die Geld einzahlen, erhalten dafür Token, die ihre Position im Fonds repräsentieren. Mit diesen Token könnten sie künftig in der Kryptowelt aktiv werden, etwa indem sie sie als Sicherheit in anderen Protokollen einsetzen. Um dem neuen Fonds einen gelungenen Start zu ermöglichen, investiert JPMorgan selbst zum Auftakt 100 Millionen $. Auch Anchorage Digital beteiligt sich.

Ein solcher Geldmarktfonds ähnelt auf den ersten Blick einem Sparkonto. Man legt Dollar an, erhält Rendite, und JPMorgan behält einen kleinen Teil ein. Ganz treffend ist dieser Vergleich allerdings nicht.

Ein Sparkonto ist ein sicherer Aufbewahrungsort bei der Bank – häufig versichert, direkt nutzbar und nahezu unkompliziert. Ein Geldmarktfonds hingegen ist ein Anlageprodukt mit sparähnlichen Eigenschaften. Das Kapital wird in kurzfristige, vergleichsweise sichere Instrumente investiert. Dafür gibt es höhere Renditen, aber auch etwas mehr Risiko und meist zusätzlichen Aufwand. Man bezahlt Verwaltungsgebühren, es gelten mehr regulatorische Vorgaben, und oft dauert es einen Tag, bis das im Fonds gebundene Geld wieder verfügbar ist.

Die Tokenisierung versucht genau diese Reibung aus dem Produkt zu entfernen. Es bleibt zwar ein Fonds, doch weil die Token an jedem Tag der Woche direkt nutzbar sind, verhält sich das Produkt eher wie digitales Bargeld als wie ein verstaubter Fondsanteil. Besonders für Stablecoin-Emittenten ist das interessant. Sie suchen sichere Möglichkeiten, Reserven gewinnbringend zu parken, ohne dass das Kapital in alter Infrastruktur feststeckt.

Auffällig sind auch die Kosten. Laut dem Bloomberg-Analysten Eric Balchunas verlangt der Fonds 16 Basispunkte, also 0,16 % pro Jahr. Für ein Produkt dieser Art ist das so günstig, dass Balchunas von einem „big deal“ spricht. Zwar gibt es einige noch günstigere Geldmarktfonds, diese sind jedoch nicht on-chain. Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Es geht in erster Linie um Nutzbarkeit, nicht um Rendite.

JPMorgan ist nicht der einzige Wall-Street-Riese, der aktiv wird. Vergangenen Dienstag öffnete Schwab Crypto seine Türen für die erste Gruppe privater Anleger. Diese können nun über die Bank Bitcoin und Ether handeln – auf derselben Oberfläche wie Aktien und ETFs. Der Rollout soll in den kommenden Monaten schrittweise fortgesetzt werden.

Am selben Tag kündigte Franklin Templeton an, weitere traditionelle Finanzprodukte on-chain zu bringen. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Payward zusammen. „Unser Ziel ist es, dass die Grenze zwischen traditionellen und digitalen Assets verschwimmt“, schreiben die CEOs in einem gemeinsamen Statement.

Weitere Nachrichten

  1. Der Bankenausschuss des US-Senats stimmt für den Clarity Act. Das Gesetz soll der amerikanischen Kryptobranche endlich einen klaren regulatorischen Rahmen geben. Obwohl noch weitere politische Schritte folgen, gilt die Abstimmung als wichtiger Durchbruch. Teile der Branche scheinen inzwischen bereit, Zugeständnisse zu akzeptieren, etwa bei Einschränkungen rund um Stablecoin-Zinsen, um die Regulierung voranzubringen. Der Fokus verschiebt sich damit von grundsätzlichen Einwänden hin zur politischen Umsetzbarkeit.

  2. Unter der Oberfläche erreicht der Kryptomarkt neue Rekorde. Während der Bitcoinpreis noch unter seinem Allzeithoch liegt, zeigt sich dahinter starkes Wachstum. Das Analyseunternehmen Artemis identifizierte vergangene Woche 59 Rekorde, von offenen Kontrakten auf Prognosemärkten bis zum Zahlungsvolumen über Krypto-Zahlungskarten. Der Hype fehlt in den Kurscharts, doch im Hintergrund läuft die Maschine auf Hochtouren.

  3. Kevin Warsh als künftiger Fed-Vorsitzender bestätigt. Der von Trump nominierte Nachfolger von Jerome Powell wurde vom Senat mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt. Powell bleibt im Amt, bis Warsh offiziell eingeführt wird. Trump sieht in Warsh einen Vorsitzenden, der die Wirtschaft ankurbeln soll. Wegen der steigenden Inflation dürfte der Spielraum für Zinssenkungen jedoch deutlich kleiner sein als noch zu Jahresbeginn.

  4. Iran startet mit „Hormuz Safe“ eine maritime Versicherungsplattform, die Zahlungen in Bitcoin akzeptiert. Kapitäne, die mit ihren Tankern durch die Straße von Hormus fahren wollen, können ihre Versicherungen damit außerhalb des traditionellen Finanzsystems abschließen. Iran will so die Abhängigkeit von SWIFT und westlichen Banken verringern und die Auswirkungen internationaler Sanktionen begrenzen. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft über die Straße von Hormus.

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