Bitcoin startet stark in den Mai
Die Finanzmärkte bleiben von großer Unsicherheit geprägt. Ölpreise, Zinserwartungen und geopolitische Spannungen ziehen in unterschiedliche Richtungen. Das macht es für Anleger schwierig, eine klare Richtung zu bestimmen. In einem solchen Umfeld würde man erwarten, dass Risiken gemieden werden – doch Bitcoin zeigt ein anderes Bild. Vor diesem Hintergrund ist eine Debatte über die Zukunft von Stablecoins in Europa entbrannt, wo regulatorische Rahmenbedingungen darüber entscheiden, ob der Markt wachsen oder verschwinden kann. Mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.
Markt-Update
Auf der globalen Bühne bleibt es unruhig. Seit dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran Ende Februar bestimmt der Ölmarkt die Richtung der Finanzmärkte. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl ist auf deutlich über 110 $ gestiegen, angetrieben durch festgefahrene Verhandlungen und blockierte Wasserwege. Das sorgt für Nervosität, da höhere Energiepreise die Inflation erneut anheizen könnten.
Diese Inflationssorgen spiegeln sich auch in der Politik der US-Notenbank wider. Der Leitzins blieb in dieser Woche unverändert, doch das zugrunde liegende Bild hat sich verändert. Zuvor rechneten Anleger noch mit Zinssenkungen im Jahr 2026, nun erwartet der Markt eher Zinserhöhungen. Die Uneinigkeit innerhalb der Fed spricht Bände: Vier Mitglieder stimmten gegen den Zinsentscheid. Das ist seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen und deutet auf Unsicherheit über die weitere Richtung hin.
Gleichzeitig zeigen große Tech-Unternehmen, dass Kapital weiterhin reichlich fließt. Unternehmen wie Google, Amazon und Microsoft investieren Dutzende Milliarden in KI, mit starkem Wachstum ihrer Cloud-Dienste als Ergebnis. Doch auch hier gibt es Unsicherheiten. Meta wurde beispielsweise von Anlegern abgestraft, die sich fragen, ob und wann sich diese Investitionen auszahlen.
Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass sich Bitcoin stark behauptet. Ein Blick auf die entsprechende Grafik zeigt die Performance von sieben Anlageklassen seit Beginn des Iran-Konflikts. Bitcoin (schwarz, +25 %) wird nur von Öl (blau, +51 %) übertroffen. Bitcoin lässt sowohl große als auch kleine Aktien- und Technologie-Indizes mit zweistelligen Zuwächsen hinter sich. Gold (hellblau) schneidet am schlechtesten ab, mit -13,5 %.
Sollten die Zinserwartungen weiter steigen, könnte dies erneut Druck auf risikoreiche Märkte ausüben. Hält sich Bitcoin dennoch stabil, wäre das ein Hinweis darauf, dass sich seine Rolle in Portfolios verändert. So oder so ist Bitcoin stark in den Mai gestartet.
Im Fokus
Euro-Stablecoins brauchen bessere Regeln
Vielleicht hast du schon einmal von der Laffer-Kurve gehört. Sie beschreibt den theoretischen Zusammenhang zwischen Steuersätzen und Steuereinnahmen. Eine Steuer von null Prozent bringt nichts ein, aber auch eine Steuer von hundert Prozent nicht; dann würde niemand mehr arbeiten. Irgendwo dazwischen liegt der Punkt, an dem der Ertrag am größten ist. Geht man darüber hinaus, verschwindet die Wirtschaftsleistung, die man eigentlich ankurbeln wollte.
Laut einem neuen Bericht zu europäischen Stablecoin-Regeln ist genau hier bei MiCA, der europäischen Regulierung für Kryptowährungen, etwas schiefgelaufen.
Die Kritik kommt aus den eigenen Reihen. Ulrich Bindseil, lange Zeit ein einflussreicher Ökonom innerhalb der EZB, verfasste den Bericht gemeinsam mit Erwin Voloder von Blockchain for Europe.
Die Autoren wenden die Laffer-Kurve auf die Regulierung an. Ohne Regeln entstehen Risiken und Missbrauch. Sind die Regeln zu streng, passiert etwas anderes: Die Aktivität, die man regulieren wollte, verlagert sich einfach. Dann hat man zwar Regeln, aber keinen Markt mehr.
Gerade bei Stablecoins ist das besonders sensibel. Sie operieren auf öffentlichen Netzwerken und sind per Definition global. Unternehmen können relativ leicht entscheiden, wo sie sich ansiedeln. Wenn Europa es zu schwierig macht, verlagert sich die Aktivität in die USA oder weit darüber hinaus. Die Folgen sind greifbar: Euro-Stablecoins spielen auf der globalen Bühne kaum eine Rolle – weniger als ein Prozent des gesamten Volumens. Das steht in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Größe der Eurozone.
Die Lösung liegt laut den Autoren nicht darin, Regeln abzuschaffen, sondern sie besser auszutarieren. So plädieren sie beispielsweise dafür, Zinsen auf Euro-Stablecoins zu erlauben, damit diese mit Alternativen konkurrieren können.
Zudem schlagen sie vor, die Bandbreite zulässiger Reserve-Assets zu erweitern, sodass Emittenten ihre Sicherheiten stärker diversifizieren können. Auch die Berichterstattung sollte stärker risikobasiert ausgestaltet werden. Darüber hinaus sollten Emittenten – innerhalb klarer Rahmenbedingungen – Zugang zur Infrastruktur der Zentralbanken erhalten, um ihre Liquidität besser steuern zu können.
Bindseil und Voloder machen deutlich: MiCA muss für Stablecoins praktikabel werden. Andernfalls bleibt Europa mit sauber regulierten Rahmenbedingungen zurück – für einen Markt, der sich größtenteils außerhalb davon abspielt.
Weitere Neuigkeiten
Taiwan prüft die Aufnahme von Bitcoin in die nationalen Währungsreserven. Ein Parlamentarier hat dem Premierminister und der Zentralbank einen Bericht vorgelegt, in dem er vorschlägt, einen Teil der Währungsreserven in Bitcoin umzuschichten. Der Bericht weist auf die Risiken einer (übermäßigen) Abhängigkeit vom US-Dollar hin und identifiziert Bitcoin als geopolitisch stabile Ergänzung. Die Zentralbank hatte zuvor aufgrund von Volatilität und praktischer Umsetzbarkeit Bedenken geäußert, ist aber weiterhin offen für weitere Untersuchungen.
Curve zielt darauf ab, durch Hackerangriffe verursachte Verluste dezentral zu regulieren – als Alternative zu orchestrierten Rettungsaktionen. Curve ist eine dezentrale Stablecoin-Börse. Der Vorschlag ermöglicht es, risikobehaftete Positionen in Token zu bündeln und handelbar zu machen, sodass Anleger selbst bestimmen können, zu welchem Preis sie ein- oder aussteigen. Das Modell weist Ähnlichkeiten zu bestehenden Praktiken im traditionellen Finanzsektor auf, wo notleidende Kredite an spezialisierte Parteien verkauft werden. Curve überträgt dieses Prinzip auf die Blockchain; eine neue Methode zur Verlustbewältigung im DeFi-Bereich.
Neuer Bitcoin-Vorschlag schützt vor Quantencomputern. Sogenannte PACTs funktionieren wie eine Art versiegelte Erklärung: Nutzer dokumentieren nun, dass sie bestimmte private Schlüssel besitzen, ohne diese öffentlich zu machen. Sollte Bitcoin vorsorglich Gelder einfrieren müssen, kann dieser Nachweis zur Freigabe der Gelder verwendet werden. Dieser Ansatz bietet eine Alternative zu drastischen Maßnahmen, die von den Inhabern aktives Handeln erfordern. Quantensicherheit hat in den letzten Monaten bei Bitcoin-Entwicklern stark an Bedeutung gewonnen.
Creator auf Facebook und Instagram können in Stablecoin USDC bezahlt werden. Vier Jahre nachdem Metas eigener Stablecoin Libra unter politischem Druck ins Stocken geraten war, arbeitet das Unternehmen nun endlich mit einem digitalen Dollar. Sogenannte Creator können für ihre Auszahlung Circles USDC wählen. Meta hat die Integration mit Solana und Polygon stillschweigend eingeführt. Im Hintergrund nutzt das Unternehmen die Infrastruktur von Stripe. „Wir sind bestrebt, die relevantesten Zahlungsmethoden anzubieten“, sagte ein Sprecher. „Deshalb prüfen wir, wie Stablecoins in unser Angebot passen.“
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