Ether stark, aber richtungslos
Markt-Update
In Bärenmärkten geht es seltener um andere Kryptowährungen als Bitcoin. Über sie wird meist wenig berichtet. Sie bewegen sich parallel zu Bitcoin und fallen bei einer Korrektur deutlich stärker. Mit wenigen Ausnahmen, doch die meisten davon halten nicht lange durch: Sie setzen sich kurzzeitig ab, verlieren aber schnell wieder an Boden.
Ether sticht in diesem Bärenmarkt mit einer relativ starken Performance hervor. Das Tief vom 5. Februar bei 1.480 € lag deutlich über dem Tief von 1.250 € im April des Vorjahres, während Bitcoin im Februar ein niedrigeres Tief erreichte.
Im Wochenchart befindet sich Ether seit etwa vier Jahren in einer Seitwärtsbewegung: Der Kurs schwankt weder, noch steigt er. Charakteristisch dafür ist, dass der Preis um seine gleitenden Durchschnitte schwankt und diese sich schließlich horizontal ausrichten. Daraus ergibt sich oft eine klare Preisspanne; bei Ether liegt diese zwischen 1.400 € und 4.000 €.
Aus fundamentaler Sicht wäre zu erwarten, dass sich Ether irgendwann von Bitcoin abkoppelt, da die beiden Kryptowährungen unterschiedliche Anwendungsbereiche verkörpern: digitales Gold (BTC) und Tokenisierung (ETH). Noch ist es allerdings nicht so weit. Aktuell bewegen sie sich oft noch in dieselbe Richtung. Sollte Bitcoin in den kommenden Monaten einen weiteren (deutlichen) Kursrückgang verzeichnen, ist es wahrscheinlich, dass Ether unter 1.250 € fallen wird.
Im Fokus
Neue Hacks, alte Lehren
Es scheint, als würde 2026 als ein Rekordjahr für Hacker in die Geschichte eingehen. In kurzer Zeit folgten mehrere Vorfälle aufeinander – mit Beute in Höhe von Hunderten Millionen $. Auffällig ist dabei, dass nicht nur die Technologie verwundbar ist, sondern auch die Menschen und Prozesse dahinter.
So wurde die Handelsplattform Drift Anfang dieses Monats von einem Angriff getroffen, bei dem interne Abläufe ausgenutzt wurden. Kurz darauf tauchte eine Fake-App auf, die sich als offizielle App des Hardware-Wallet-Herstellers Ledger ausgab. Nutzer, die ihre Wiederherstellungsphrase eingaben, verloren ihre Guthaben nahezu sofort. Mehr als fünfzig Betroffene verloren zusammen Millionenbeträge. Das zeigt, wie wirksam Angriffe sein können, wenn sie auf Vertrauen und Gewohnheit abzielen.
Am vergangenen Wochenende ereignete sich ein neuer Vorfall. KelpDAO wurde angegriffen. Dabei handelt es sich um ein bedeutendes Staking-Protokoll im DeFi-Bereich. Durch eine Schwachstelle in der Infrastruktur konnten Angreifer Token ohne realen Wert erzeugen. Diese Token wurden anschließend in anderen Protokollen eingesetzt, umgewandelt und entwendet. Mehr als zwanzig Plattformen mussten eingreifen und ihren Betrieb teilweise einstellen.
Auch wenn sich die Details der einzelnen Vorfälle unterscheiden, zeigt sich ein klarer roter Faden: Die Kryptobranche entwickelt zunehmend komplexe Systeme, in denen verschiedene Dienste und Protokolle miteinander verknüpft sind. Das eröffnet viele Möglichkeiten, erhöht aber auch die Auswirkungen von Fehlern.
Für Nutzer liegt hier eine wichtige Lehre. Ein sicherer Umgang mit Kryptowährungen bedeutet mehr, als sich nur auf die Technik einer Plattform zu verlassen. Es beginnt bei den Grundlagen: Lade Apps ausschließlich über offizielle Kanäle herunter, prüfe sorgfältig, ob du es mit dem richtigen Anbieter zu tun hast, und teile niemals sensible Daten wie dein Passwort oder deine Wiederherstellungsphrase.
Außerdem ist es ratsam, bei der Nutzung neuer Protokolle oder Apps kritisch zu bleiben, insbesondere, wenn sie hohe Renditen versprechen. Innovation entwickelt sich in dieser Branche rasant, doch nicht alles hat sich bereits in der Praxis bewährt. Bewegst du dich in der DeFi-Welt, betrittst du mit neuen Apps oft Neuland. Vorsicht und Vorbereitung sind daher alles andere als überflüssig.
Weitere Nachrichten
Auch Goldman Sachs bringt einen eigenen Bitcoin-ETF auf den Markt. Bekannte ETF-Beobachter sind „schockiert“, weil sie innerhalb kurzer Zeit sehen, wie nahezu alle großen traditionellen Finanzinstitute in die Bitcoin-Welt eintreten. Der ETF von Goldman soll für Anleger monatliche Cashflows generieren. Das erreicht die Bank mithilfe zugrunde liegender Optionsstrategien. Vergleichbare Produkte haben an den Aktienmärkten bereits Hunderte Milliarden angezogen. Bitcoin wird damit in eine Form gebracht, die für traditionelle Investoren vertraut ist.
Die EZB unterstützt einen Plan zur Zentralisierung der Aufsicht über große Krypto-Unternehmen. Die Zuständigkeit soll von nationalen Aufsichtsbehörden auf die ESMA übergehen, eine europäische Behörde mit Sitz in Paris. Brüssel will verhindern, dass Unternehmen sich gezielt Länder wie Malta, Irland oder Luxemburg aussuchen, um von lockereren Regeln zu profitieren. Mehrere EU-Mitgliedstaaten haben Einwände erhoben, unter anderem wegen der potenziellen Folgen für ihre nationalen Finanzsektoren. Die Verhandlungen über den Vorschlag beginnen in den kommenden Monaten.
Amerikanische Bitcoin-Fonds verzeichnen Zuflüsse von über einer Milliarde $. Letzte Woche waren ETFs bei Anlegern gefragt. Das gesamte verwaltete Vermögen stieg von 94 Milliarden auf 101 Milliarden $. Diesen Käufern stehen industrielle Bitcoin-Miner gegenüber; sie verkauften im ersten Quartal über 32.000 BTC. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2025. Schätzungsweise 20 % der Miner arbeiten derzeit verlustbringend.
𝕏 entwickelt sich zunehmend zu einer Handelsplattform und setzt damit den Finanzsektor unter Druck. Elon Musks Unternehmen hat Funktionen hinzugefügt, die die Zeitspanne zwischen der Diskussion eines Assets und dessen Kauf deutlich verkürzen. Darüber hinaus testet das Unternehmen mit 𝕏 Money verschiedene Zahlungsdienste, darunter eine digitale Geldbörse und eine Zahlungskarte. Musk möchte 𝕏 zu einer Allzweck-App machen, einer amerikanischen Version von WeChat. Diese Vision nimmt nun konkrete Formen an.
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