Marktunsicherheit hält an

Bitvavo
Bitvavo24. März 2025

Das Vertrauen in den Markt ist angeknackst. Ist der Höhepunkt des Bullenmarktes bereits erreicht oder erleben wir nur eine gesunde Korrektur, der neue Höchststände folgen werden? Während die Analysten geteilter Meinung sind, setzt Michael Saylor seine Bitcoin-Strategie unbeirrt fort. Ist das brillant – oder riskant? Lesen Sie jetzt alle Details in den Marktnachrichten.

Markt-Update

Könnte der Höhepunkt des Bullenmarktes bereits hinter uns liegen? Immer mehr Analysten halten das für plausibel. "Der Bitcoin-Bullenzyklus ist vorbei", sagte Ki Young Ju, CEO des Analyseunternehmens CryptoQuant, letzte Woche auf X.

Das würde auch bedeuten, dass der erstaunlich regelmäßige Rhythmus der Hochs und Tiefs im Vierjahres-Abstand durchbrochen wird. "Der traditionelle Vier-Jahres-Zyklus ist bei Kryptowährungen vorbei", sagt Matt Hougan, CEO von Bitwise. Er geht davon aus, dass die Tage der Höchst- und Tiefststände hinter uns liegen.

Jeder Bärenmarkt beginnt mit einer Korrektur – aber nicht jede Korrektur ist der Beginn eines Bärenmarktes. Im Moment passen die Kursrückgänge der vergangenen Monate perfekt zu einer normalen Korrektur in einem Bullenmarkt. Der Kurs ist nicht unter den 50-Wochen-Durchschnitt gefallen – dieser bildete in der Vergangenheit häufiger die Trennlinie zwischen Bullen- und Bärenmärkten.

Der Satz "Diesmal ist es anders" gilt in der Finanzwelt als sehr riskant. Denn oft genug wiederholt sich die Geschichte ohnehin. Daher ist es auch nicht verrückt, zu sagen: Wir erleben immer noch einen Bullenmarkt und werden noch in diesem Jahr neue Rekordpreise sehen.

Im Fokus

Strategy erhöht erneut Einsatz – klug oder riskant?

Das börsennotierte US-Unternehmen Strategy (früher: MicroStrategy) kauft noch mehr Bitcoin. Mittlerweile besitzt es mehr als 500.000 BTC im Wert von über 40 Mrd. USD. Doch Gründer Michael Saylor sieht noch mehr Spielraum. Letzte Woche kündigte er eine neue Finanzierungsrunde mit einer relativ ungewöhnlichen Struktur an: Vorzugsaktien mit einem festen Zinssatz von 10 %.

Diese neuen Aktien mit der Bezeichnung STRF bieten kein Stimmrecht, keinen Anspruch auf Kursgewinne und keine Kontrolle über die Bitcoin-Reserven des Unternehmens. Sie bringen jedoch eine feste jährliche Dividende. Dabei geht es um fünf Mio. Aktien zu je 100 USD. Wenn alle verkauft werden, wird Strategy 500 Mio. USD einnehmen, mit denen weitere Bitcoin-Käufe finanziert werden sollen.

Was sind Vorzugsaktien?

Vorzugsaktien nehmen einen besonderen Platz in der Kapitalstruktur eines Unternehmens ein. Sie sind vergleichbar mit Anleihen: Die Anleger erhalten eine feste Dividende, unabhängig von den Gewinnen oder der Kursentwicklung. Im Gegenzug verzichten sie auf Mitsprache und das Potenzial für zusätzliche Erträge.

Ein wichtiges Merkmal ist die Vorzugsstellung: Es gibt regelmäßige Ausschüttungen für die Inhaber; bei einem Konkurs werden sie früher ausgezahlt als die Stammaktionäre. Dies macht Vorzugsaktien für Anleger attraktiv, denen Stabilität besonders wichtig ist.

Strategy veröffentlichte zuvor STRK mit einer jährlichen Ausschüttung von 8 %. STRF geht darüber hinaus und bietet auch eine sogenannte kumulative Dividende an. Wird die Ausschüttung vorübergehend ausgesetzt, bleibt die Verpflichtung bestehen. Dann steigt der Satz sogar bis zu einem Maximum von 18 %.

Was bedeutet das für MSTR?

STRF und STRK sind Vorzugsaktien desselben Unternehmens wie MSTR. Sie orientieren sich aber nicht am Kurs dieser Stammaktie. Dennoch lassen sich die Wertpapiere nicht von MSTR trennen. Immerhin belaufen sich die Dividendenverpflichtungen auf über 100 Mio. $ pro Jahr. Fällt der Bitcoin-Preis und gerät die Cash-Position unter Druck, könnten die Verbindlichkeiten zu einer Belastung werden. Wer gewöhnliche Aktien hält, muss dann den Vorzugs-Investoren den Vortritt lassen.

Saylors Strategie

Mithilfe dieser Struktur will Michael Saylor zusätzliche Bitcoin kaufen, ohne Stimmrechte oder Eigentum aufzugeben. Die Zinsen werden nicht in Aktien, sondern in bar ausgezahlt. So werden die bestehenden Aktionäre nicht verwässert. Im Gegenzug tragen die Anleger auch ein geringeres Risiko, haben aber auch weniger Renditepotenzial.

Das ist eine kühne Strategie. Saylor beschafft Kapital, ohne die Kontrolle oder das Eigentum abzugeben – und bleibt so am Ruder. Die festen Verbindlichkeiten erhöhen jedoch auch den Druck auf die Bilanz. Der Erfolg des Unternehmens hängt also stark an der Entwicklung der Bitcoin.

Ob das nun eine riskante Taktik oder eine geniale Strategie ist, muss der Markt entscheiden.

Weitere Nachrichten 

  • Standard Chartered senkt das Kursziel für ETH von 10.000 USD auf 4.000 USD. Hintergrund ist, dass Ethereum zwar wächst, aber weniger erwirtschaftet. Mit dem Aufstieg der Second-Tier-Netzwerke Arbitrum und Optimism fließt immer mehr Aktivität vom Hauptnetzwerk ab. Damit gehen auch Einnahmen verloren. Nach Angaben der Bank verliert Ethereum gegenüber DeFi, NFTs und Stablecoins. Der monetäre Wert dieser entgangenen Aktivitäten fließt nicht mehr automatisch zu ETH zurück. Wachstum ist schön, doch ohne entsprechenden Cashflow wird Ethereum als Investition weniger attraktiv.

  • US-Aufsichtsbehörde stellt Verfahren gegen Ripple ein. Das teilte Ripple-CEO Brad Garlinghouse am Mittwoch mit. Die Aufsichtsbehörde hat inzwischen mehr als sechs Verfahren eingestellt. Der juristische Kampf gegen Kryptowährungen verliert damit an Schwung. Formal ist die Klage gegen Ripple noch nicht zurückgezogen – das könnte nach Angaben des Unternehmens noch Wochen dauern. Infolge dieser Nachricht sprang der XRP-Kurs von 2,32 USD auf 2,53 USD. Einen Teil dieses Anstiegs verlor die Coin jedoch wieder.

  • Auf dem Digital Asset Summit am 21. März äußerte Donald Trump sich wohlwollend über Kryptowährungen. In einer Videobotschaft sagte er, Kryptowährungen könnten zur Dominanz des US-Dollars beitragen. Der "Krieg gegen Krypto" sei vorbei: Die USA müssten die unangefochtene Bitcoin-Supermacht und das weltweite Krypto-Zentrum werden. Trump forderte klare Regeln für Stablecoins und die Marktstruktur, äußerte sich aber nur vage zu konkreten Plänen. Die Botschaft war allerdings klar: Unter seiner Führung wird Krypto nicht bekämpft, sondern als ein strategischer Vorteil betrachtet. 

  • Die Bitcoin-Entwickler scheinen sich auf eine neue Soft Fork zu einigen. Es wäre die erste seit Taproot im Jahr 2021. Das vorgeschlagene Upgrade basiert auf BIP-119 und BIP-348. Es wird das Netzwerk effizienter und sicherer machen; unter anderem sind ist ein Upgrade des Lightning-Netzwerks vorgesehen. Bemerkenswert ist, dass sich nach Jahren der Stagnation wieder ein echter Konsens abzuzeichnen scheint. Es ist ein seltener Moment der Einigkeit in einem Ökosystem, in dem nicht nur Entwickler, sondern auch Finanzgrößen wie Strategy und BlackRock mitzureden haben.

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