Ist Bitcoin ein sicherer Hafen?
In den vergangenen Wochen hat sich der Bitcoinmarkt deutlich anders verhalten als viele traditionelle Märkte. Manche sehen darin ein Indiz dafür, dass Bitcoin als geopolitischer sicherer Hafen dienen kann. Mehr dazu in diesen Market News. Anschließend werfen wir einen Blick auf eine neue Anwendung in der Kryptowelt: das Training von KI-Modellen über dezentrale Netzwerke.
Markt-Update
Die relative Stärke von Bitcoin und vielen anderen Kryptowährungen in den vergangenen zwei Wochen hat viele überrascht. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar ist der Kurs von Bitcoin um 15 % gestiegen, während der große US-Aktienindex S&P 500 um 3 % gefallen ist und Gold sogar um 5 %.
Einige Analysten sehen darin ein Indiz dafür, dass Bitcoin ein sicherer Hafen ist und sich in Zeiten geopolitischer Unruhe bewährt. Ähnlich wie Gold besitzt Bitcoin ein gewisses Maß an Neutralität und Unabhängigkeit. Niemand hat die Kontrolle, niemand kann allein die Regeln ändern, und niemand kann unbegrenzt neue Einheiten schaffen.
Das ist eine plausible Erklärung, mit der wir jedoch vorsichtig sein sollten. Eine ähnliche Geschichte machte bereits im Februar und März 2022 die Runde, in den ersten Wochen des Krieges in der Ukraine. Einige Monate später rutschte der Kryptomarkt noch tiefer in den Bärenmarkt.
Wahrscheinlicher ist, dass wir lediglich eine vorübergehende Erholung in einem zyklischen Bärenmarkt sehen, vergleichbar mit dem Anstieg auf 84.000 € im Januar. Erst bei einem Wochenschlusskurs über dem 50-Wochen-Durchschnitt bei 85.000 € hätten wir den ersten Hinweis darauf, dass wir am Beginn eines neuen Bullenmarktes stehen.
Im Fokus
Kryptonetzwerk trainiert KI-Modell
Viele der KI-Anwendungen, die wir täglich nutzen, basieren auf sogenannten Large Language Models (LLMs). Dazu gehören Chatbots und KI-Agenten, die beim Programmieren oder Schreiben helfen. Solche Modelle entstehen, indem enorme Datenmengen verarbeitet und Muster daraus gelernt werden. Das Training findet normalerweise in großen Rechenzentren von Tech-Unternehmen wie OpenAI, Google oder Meta statt, wo Tausende leistungsstarker Maschinen unter einem Dach zusammenarbeiten.
Nun entsteht eine dezentrale Alternative zu den Tech-Giganten. Das Projekt Templar meldete diese Woche, dass es das bislang größte dezentrale Training eines Sprachmodells abgeschlossen hat. Das Modell, Covenant-72B, enthält 72 Milliarden Parameter und wurde mit mehr als 1,1 Billionen Tokens trainiert. Anstelle eines einzelnen Rechenzentrums wurde das Netzwerk von Bittensor genutzt – ein Protokoll, in dem Teilnehmende Rechenleistung bereitstellen und dafür mit dem Token TAO belohnt werden.¹
Das Training dauerte etwa sechs Monate, von September 2025 bis März 2026. Pro Runde nahmen im Durchschnitt siebzehn Teilnehmende teil, insgesamt mehr als siebzig einzigartige Nodes, die weltweit verteilt ihre Hardware einsetzten.
Das klingt vielleicht nach einem Netzwerk aus Hobbycomputern, doch dieses Bild stimmt nicht ganz. Die Teilnehmenden betrieben schwere Infrastruktur: pro Node mindestens acht professionelle GPUs und etwa 1,2 Terabyte Arbeitsspeicher. Das entspricht einer Hardware-Investition von mehreren hunderttausend Euro pro Teilnehmer.
Der eigentliche technische Durchbruch liegt jedoch woanders. Das Hauptproblem bei dezentralem KI-Training ist die Kommunikation. In einem Rechenzentrum ist die gesamte Hardware über extrem schnelle Netzwerke miteinander verbunden. Über das normale Internet sind diese Verbindungen deutlich langsamer. Templar entwickelte daher eine Methode, um die Datenmenge, die zwischen den Teilnehmenden ausgetauscht wird, drastisch zu reduzieren. Dadurch dauerte eine Kommunikationsrunde nur noch etwa siebzig Sekunden statt mehrerer Minuten, wie es in früheren Experimenten der Fall war.
Das Ergebnis ist ein Modell, das laut ersten Benchmarks mit einigen bestehenden Open-Source-Modellen aus traditionellen Rechenzentren konkurrieren kann. Dabei fällt der Unterschied bei den Trainingsdaten auf: Covenant-72B wurde mit etwa der Hälfte der üblichen Tokenmenge trainiert.
Für den Kryptomarkt ist vor allem das zugrunde liegende Netzwerk interessant. Bittensor versucht, einen Marktplatz für KI-Rechenleistung aufzubauen, in dem Teilnehmende für ihren Beitrag bezahlt werden. Der Erfolg dieses Trainingslaufs wurde von Investoren belohnt: TAO stieg diese Woche um etwa ein Drittel auf rund 270 $.²
Quellen:
Weitere Nachrichten
- Bitcoinnetzwerk erweist sich als überraschend widerstandsfähig gegen Kabelstörungen. Untersuchungen aus Cambridge zeigen, dass das Netzwerk selbst dann weitgehend funktionsfähig bleibt, wenn gleichzeitig 72 % bis 92 % aller internationalen Untersee-Internetkabel ausfallen. Historische Daten zu Kabelbrüchen zeigen, dass 87 % solcher Störungen weniger als 5 % der Nodes betreffen. Gezielt ausgeführte Angriffe auf wichtige Infrastruktur stellen jedoch ein größeres Risiko dar. Laut der Studie trägt auch die Nutzung des Tor-Netzwerks zur Widerstandsfähigkeit bei.
- Alibaba steigt bei Stablecoin- und Zahlungsunternehmen aus Singapur ein. Der chinesische E-Commerce-Riese investiert 35 Millionen $ in MetaComp, ein Unternehmen aus Singapur, das Infrastruktur für die Nutzung traditioneller Währungen und Stablecoins bei internationalen Zahlungen und im Vermögensmanagement entwickelt. MetaComp verarbeitete im vergangenen Jahr Transaktionen im Wert von mehr als 10 Milliarden $ und arbeitet inzwischen profitabel. Das Unternehmen will in Asien, dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika expandieren.
- BlackRock bringt Ether-Fonds mit integrierten Staking-Erträgen auf den Markt.
Der Vermögensverwalter hat am Mittwoch den iShares Staked Ethereum Trust (ETHB) an die Börse gebracht. Der Fonds kauft ETH und setzt diese anschließend für Staking ein. Anleger erhalten monatlich etwa 80 % der Staking-Erträge. Am ersten Handelstag flossen 43,5 Millionen $ neues Kapital in den Fonds. Das gesamte verwaltete Vermögen stieg zeitweise auf über 100 Millionen. - Tether investiert in Infrastruktur für Bitcoin-Zahlungen. Ark Labs hat insgesamt 7,7 Millionen $ von Investoren eingesammelt, darunter Tim Draper und Anchorage Digital. Das Unternehmen arbeitet an einem neuen Payment-Layer für Bitcoin. Ark bündelt Transaktionen, sodass Nutzer direkt bezahlen können, ohne komplexe Zahlungskanäle verwenden zu müssen – wie sie etwa beim Lightning-Netzwerk erforderlich sind. Für Tether ist das Ziel klar: USDT wieder stärker auf das Bitcoinnetzwerk zu bringen.
Quellen:
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