Oktober schließt mit einem leichten Minus
Der Oktober brachte nicht den von vielen Krypto-Investoren erhofften Kursanstieg. Dennoch gibt es Grund zu vorsichtigem Optimismus. Bitcoin hielt sich relativ gut, während andere Finanzmärkte deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Was sagt das über die Aussichten für die kommenden Monate aus? Darüber hinaus befasst sich diese Ausgabe der Market News mit einem Thema, das auch international viel Aufmerksamkeit erregte: die niederländische Steuerdebatte.
Markt-Update
Am 30. September schloss Bitcoin erstmals seit Oktober 2025 über dem 12-Monats-Durchschnitt im Monatschart. Dies war ein starkes Signal, da dieser Durchschnitt in den letzten Jahren eine klare Trennlinie zwischen Bären- und Bullenmärkten darstellte.
Erfreulich ist es, wenn der Kurs anschließend rasch steigt und den Ausbruch bestätigt. Dies geschah im Oktober jedoch nicht. Am Sonntag schloss Bitcoin den Oktober mit einem Verlust von 5,9 % ab. Mehr als die Hälfte der Gewinne vom September sind wieder verloren. Dennoch gibt es Gründe für Optimismus.
Die Finanzmärkte waren in den letzten Wochen turbulent. Sorgen um den Iran, die Inflation, die Zinssätze und der KI-Hype prägten die Stimmung. Der Technologieindex Nasdaq 100 und Gold fielen im Oktober jeweils um 7 %. Chip-ETFs gaben sogar um rund 15 % nach. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Rückgänge am Krypto-Markt moderat.
Auch der Chart sieht nicht schwach aus. Der Kurs blieb deutlich über dem maßgeblichen Durchschnitt, und der RSI lag weiterhin über 50. Im Dollar-Chart wurde der Durchschnitt als Unterstützung getestet. Es war nicht der „Uptober“, auf den Anleger gehofft hatten, aber technisch ist bislang wenig zu beanstanden.
Im Fokus
Niederländischer Staatsrat kippt Box-3-Plan
Das niederländische Kabinett muss seine Pläne für ein neues Box-3-System zurückziehen und von vorn beginnen. Das ist die „vernichtende“ Empfehlung des Raad van State (Staatsrat), der heute seine Stellungnahme veröffentlicht hat. Der höchste Berater der Regierung hält eine Einführung im Jahr 2028 für unverantwortlich und empfiehlt, sie auf 2030 zu verschieben. Auch die Ungleichbehandlung von Krypto-Anlegern wird deutlich kritisiert.
Das Kabinett will die aktuelle Steuer auf fiktive Rendite abschaffen. An ihre Stelle soll ein System treten, in dem Anleger Steuern auf ihre tatsächliche Rendite zahlen. Die ursprünglichen Pläne sahen eine Vermögenszuwachssteuer vor. Dabei sollten auch auf „Buchgewinne“ Steuern fällig werden, also auf Kursgewinne, die noch nicht realisiert wurden.
Nach heftiger Kritik beschloss das Kabinett, den Vorschlag anzupassen. Für Aktien, Anleihen und andere Finanzinstrumente sollte ab 2028 eine Vermögensgewinnsteuer gelten. Dabei wird die Steuer erst erhoben, nachdem der Anleger seinen Gewinn realisiert hat.
Für Krypto-Anleger sollte diese Ausnahme nicht gelten. Wer direkt Bitcoin oder andere Kryptowährungen besitzt, müsste ab 2028 weiterhin Steuern auf nicht realisierte Kursgewinne zahlen. Wer dagegen über einen Investmentfonds in dieselben Kryptowährungen investiert, würde erst beim Verkauf besteuert. Ein unerwünschter und künstlicher Unterschied mit potenziell großen Folgen, argumentierte der niederländische Verband der Krypto-Dienstleister (Nederlandse Vereniging Cryptodienstverleners).
Dem stimmt der Raad van State zu. Die Berater halten es für „angreifbar“, vergleichbare Anlagen unterschiedlich zu besteuern, nur weil sie auf unterschiedliche Weise gehalten werden. Dem Kabinett wird daher dringend geraten, diese Zweiteilung nicht einzuführen.
Die Kritik geht aber noch viel weiter. Der Raad van State findet, dass das Kabinett überstürzt und unsorgfältig vorgeht. Das vorgeschlagene System sei kompliziert und teuer, und 2028 komme laut der niederländischen Steuerbehörde zu früh. Außerdem wären für eine Regelung, die nur zwei Jahre gelten würde, Hunderte zusätzliche Mitarbeiter und Dutzende Millionen Euro nötig.
Das Fazit ist eindeutig: Der Gesetzentwurf soll zurückgezogen werden. Stattdessen empfiehlt der Raad van State einen Neustart. 2030 soll ein einheitliches System kommen, das alle Vermögensarten nach denselben Regeln besteuert.
Ob das Kabinett dem Rat folgt, ist noch offen. Der Raad van State kann die Pläne nicht allein stoppen. Für die niederländische Krypto-Branche ist die Stellungnahme trotzdem ein wichtiges Signal: Die Kritik an der steuerlichen Behandlung von Kryptowährungen wird jetzt von einem der wichtigsten juristischen Beratungsgremien der Niederlande unterstützt.
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