Tokenisierung als Treiber des nächsten Bullenmarkts?
Ein neuer Bullenmarkt beginnt, und alle suchen nach dem nächsten Treiber. Ein heißer Kandidat ist die Tokenisierung. Dabei werden bestehende Finanzprodukte als Token auf der Blockchain abgebildet. Dass das funktioniert, zeigen Stablecoins schon heute. Das sieht man in den Charts, und auch die Nachrichten dieser Woche drehen sich darum. Mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.
Markt-Update
Auf öffentlichen Blockchains wurden Stablecoins im Wert von fast 300 Milliarden $ ausgegeben, der Großteil davon im Ethereum-Ökosystem. Vor drei Jahren lag dieser Wert bei 125 Milliarden $, vor sechs Jahren bei unter 20 Milliarden $. Der Kryptodollar gilt als eine der größten Erfolgsgeschichten von Kryptonetzwerken.
In Europa plant ein Konsortium aus 37 führenden Banken die Einführung eines Euro-Stablecoins in diesem Jahr. Auch verschiedene Banken in den USA unternehmen Schritte in diese Richtung, obwohl das Stablecoin-Gesetz (Genius Act) erst am 18. Januar 2027 in Kraft tritt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die zunehmende Tokenisierung, also die Darstellung von Finanzinstrumenten als Kryptotoken. Verglichen mit Stablecoins steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen.
Setzt sich dieses Wachstum fort, werden Kryptonetzwerke zu einem wichtigen Bestandteil der weltweiten Finanzinfrastruktur. Es ist eine plausible Hypothese, dass ein Teil dieses Werts in den Token der genutzten Kryptonetzwerke und Kryptoprotokolle eingefangen wird.
Für viele Analysten und Anleger lautet das Basisszenario, dass wir uns gerade im Übergang vom Bärenmarkt zu einem neuen Bullenmarkt befinden. Der Durchbruch der Tokenisierung könnte eine der richtungsweisenden Geschichten und eine der treibenden Kräfte werden.
Im Fokus
Banken und Zahlungsanbieter setzen auf Blockchain
Diese Woche kam nicht besonders viel Neues aus der Kryptobranche. Eine gute Gelegenheit, einen Blick darauf zu werfen, woran Banken und Zahlungsanbieter gerade arbeiten. Und siehe da: Die sitzen nicht still.
Am vergangenen Montag ging der digitale Dollar von JPMorgan live auf Ethereum. JPM Coin ist jetzt ein sogenannter Deposit-Token der größten Bank der USA. Jeder Token verweist auf einen Dollar auf einem Konto bei JPMorgan, und nur Geschäftskunden können ihn nutzen.
Am Donnerstag hat SoFi, eine amerikanische Onlinebank, einen Deposit-Token für Privatkunden gestartet. Jeder SOFIE-Token berechtigt zu Zinsen und zur amerikanischen Einlagensicherung bis 250.000 $. Kunden können die Token eins zu eins in SoFiUSD, den Stablecoin von SoFi, umwandeln, um Kryptowährungen zu kaufen oder Geld zu überweisen. Dann entfallen allerdings die Zinsen und die Einlagensicherung.
In Hongkong hat HSBC am Freitag seinen ersten Stablecoin gestartet: RedCoin, gekoppelt an den Hongkong-Dollar. Über 3,3 Millionen Nutzer der Zahlungs-App PayMe können in den kommenden Tagen eine Wallet dafür aktivieren. RedCoin ist kein öffentlicher Stablecoin wie USDT oder USDC, sondern läuft auf einem eigenen Netzwerk von HSBC.
Standard Chartered hat am Mittwoch die vollständige Übernahme von Zodia Custody unterschrieben. Die Bank war 2020 selbst an der Gründung beteiligt und will jetzt die von Zodia entwickelte Technologie in das eigene Angebot integrieren. Der Hintergrund: Standard Chartered will seine Rolle in der Kryptowelt ausbauen, zunächst mit Dienstleistungen für institutionelle Kunden. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.
Am Donnerstag berichtete Axios, dass Visa kurz davorsteht, Fireblocks für rund 2,5 Milliarden $ zu übernehmen. Fireblocks liefert die Software, mit der Banken und Börsen Kryptowährungen sicher aufbewahren und verschicken. Das Unternehmen reagiert, wie man es nach unliebsamen Gerüchten kennt: Es weist die Meldung zurück. Ein Sprecher sagte: „Das ist neu für uns und stimmt aktuell nicht.“
Zum Schluss werfen wir einen Blick auf den Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz. Er hat das Wort „Crypto“ aus dem Namen seines Kryptofonds gestrichen. Aus a16z Crypto wird a16z Frontier. Der Fonds investiert jetzt neben Kryptowährungen auch in KI, Robotik und Biotechnologie. Fondsleiter Chris Dixon erklärt: „Wall Street und Fintech-Unternehmen bringen heute regelmäßig Produkte auf Blockchains heraus. Sind das dann Kryptounternehmen? Das Label ist weniger wichtig.“
Dass sich Banken, Zahlungsanbieter und Fonds der Kryptowelt annähern, und umgekehrt, ist nicht neu. Der Trend läuft schon eine ganze Weile. Vielleicht fragst du dich, ob er langsam an Schwung verliert. Die Bankennachrichten der letzten Woche zeigen: Davon kann keine Rede sein.
Weitere Nachrichten
Die USA haben ihre ersten endgültigen Regeln für Stablecoins. Die Aufsichtsbehörde OCC hat am Mittwoch veröffentlicht, welche Anforderungen Emittenten nach dem 2025 verabschiedeten Genius Act erfüllen müssen. Die Regeln treten am 18. Januar 2027 in Kraft. Stablecoins müssen eins zu eins gedeckt sein, und wer sie einlöst, muss sein Geld innerhalb von zwei Werktagen zurückbekommen. Der Genius Act verbietet Emittenten, Zinsen auf Stablecoin-Guthaben zu zahlen. Kryptounternehmen, die solche Guthaben für ihre Kunden halten, dürfen darauf aber weiterhin „Belohnungen“ ausschütten.
JPMorgan nimmt Bitcoin zum ersten Mal in seinen jährlichen Langzeitbericht auf. Professionelle Anleger nutzen diesen Bericht bei der Zusammenstellung ihres Portfolios. Der Vermögensverwalter rechnet mit einer Rendite von 10 % pro Jahr, mit zwischenzeitlich kräftigen Kursschwankungen. Trotzdem bekommt Bitcoin in den Modellportfolios der Bank noch keinen Platz. Der Grund? JPMorgan findet den wechselnden Zusammenhang von Bitcoin mit anderen Anlagen noch schwer einzuschätzen. Die Bank räumt aber ein, dass der Markt erwachsen wird, und rückt Bitcoin als Anlageklasse endgültig ins Blickfeld.
Strategy fliegt voraussichtlich aus den Aktienindizes von MSCI. Der Indexanbieter ist der Ansicht, dass das Bitcoin-Unternehmen eher einem Investmentfonds ähnelt als einem operativen Unternehmen. Da Unternehmen, die vor allem investieren, die Zusammensetzung eines Aktienindex verzerren können, liegt ein Ausschluss nahe. Die endgültige, neue Version des Index folgt am 11. November. Bei einem Ausschluss müssen Fonds, die den Index nachbilden, möglicherweise Aktien verkaufen. Saylor hält diesen Verkaufsdruck für beherrschbar. Nach seiner Einschätzung geht es um etwa 3,1 % der ausstehenden Aktien.
Die Börse MEXC macht in den Niederlanden dicht. Das Unternehmen hat keine MiCA-Lizenz und wurde vermutlich von der AFM aufgefordert, seine Aktivitäten einzustellen. Kunden werden gebeten, ihre Kryptowährungen vor dem 31. Oktober zu übertragen. Das endgültige „Offboarding“ findet am 16. November statt. Es ist unklar, was genau mit den Guthaben von Niederländern passiert, die nach diesem Datum auf der Börse verbleiben. Insgesamt hat sich die Börse nun aus 13 Rechtsgebieten zurückgezogen, darunter die USA, Kanada und das Vereinigte Königreich. Bitvavo besitzt eine MiCA-Lizenz der AFM und kann daher seine Dienste weiterhin in den Niederlanden anbieten.
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