Die Ruhe zwischen Bären- und Bullenmarkt

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Bitvavo19. Okt. 2026

Der Kryptomarkt befindet sich in einer etwas unbequemen Übergangsphase. Die Turbulenzen des Bärenmarktes klingen langsam ab, und von der Euphorie des kommenden Bullenmarktes ist noch nichts zu spüren. Doch in dieser scheinbar unbedeutenden Phase steht Bitcoin vor einer wichtigen Aufgabe. Lies mehr dazu in dieser Ausgabe der Market News.

Markt-Update

Im Übergang vom Bären- zum Bullenmarkt sind negative Emotionen wie Angst, Wut und Panik bereits überwunden. Von Erleichterung, Begeisterung und Euphorie, wie sie ein Bullenmarkt mit sich bringt, fehlt noch jede Spur.

Die Zwischenphase wird oft als träge und verhalten beschrieben. In der Fachliteratur findest du Begriffe wie Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit. Das trifft den Kryptomarkt momentan perfekt. Entschlossene Anleger positionieren sich langfristig, und der Boden steigt Stück für Stück. Solide, aber nicht spektakulär.

In den vergangenen Phasen des Marktzyklus reagierte der Kryptomarkt, wie auch jetzt, sehr empfindlich auf externe Einflüsse. 2020 die Corona-Krise, 2023 die Probleme regionaler Banken in den USA. Heute ist es der Mix aus Ölpreisen, Inflation, Anleiherenditen und dem KI-Hype.

Für Bitcoin lautet die einzige Aufgabe, das nächste Tief im Wochenchart über 50.700 € zu halten. Dann könnten wir nach einem höheren Hoch (HH) auch ein höheres Tief (HL) verzeichnen. Der schönste Weg wäre, wie schon 2023, zunächst ein weiterer Anstieg und danach ein höheres Tief (HL) über dem dominanten Durchschnitt, der jetzt bei 65.000 € liegt.

Im Fokus

Zahlungen durch KI-Agenten nehmen zu

Während du das liest, will irgendwo ein KI-Agent seinen Code prüfen lassen, sagen wir einen Smart Contract für Ethereum. Ein zweiter KI-Agent bietet an, ihn auf Schwachstellen zu untersuchen – für 89 Cent in USDC. Die Wallet des ersten Agenten zahlt, die Transaktion ist in wenigen Sekunden abgewickelt, und ein paar Minuten später liegt der Sicherheitsbericht vor. Kein Mensch hat auf „Akzeptieren“ geklickt.

Das ist kein Zukunftsszenario, sondern ein bestehender Dienst: AgentLISA. Der Audit-Service, der selbst auf einem Sprachmodell läuft, wird in einem aktuellen Bericht von Chainalysis erwähnt. Darin beleuchtet Chainalysis sogenannte Agentic Rails, also Zahlungsprotokolle, die von KI-Agenten genutzt werden können. Eines dieser Protokolle, x402, hat laut Chainalysis bereits über 138 Millionen Transaktionen verarbeitet. Wichtiger als die Zahlen: Die Ausgabenmuster zeigen Anzeichen von Reife.

Vom Test zur festen Gewohnheit

Laut Chainalysis entwickelt sich dieser Teil des Marktes von einzelnen Experimenten hin zur dauerhaften Nutzung. Dafür schaut sich das Unternehmen unter anderem an, wie Wallets genutzt werden. So stieg der Anteil der Wallets, die innerhalb von 30 Tagen erneut aufgeladen wurden, in weniger als einem Jahr von 71 % auf 89 %.

Aussagekräftiger ist, dass Wallets schneller aktiv werden. Ende 2025, als das Protokoll noch neu war, lagen zwischen dem Aufladen einer Wallet und der ersten Zahlung im Schnitt rund 73 Tage. Im dritten Quartal 2026 war diese Lücke auf 18 Minuten geschrumpft. Wallets werden für eine Aufgabe angelegt: Das Geld muss sofort von A nach B fließen.

Die allermeisten Zahlungen sind übrigens winzig: Über 87 % liegen zwischen 0,01 und 10 Cent, die meisten davon bei 1 bis 10 Cent pro Transaktion.

Rechenleistung und Audits

Wofür wird das Geld ausgegeben? 

Der Großteil fließt in informationsorientierte Dienstleistungen: Code-Reviews, Finanzdaten und Rechenleistung, die für die Nutzung von Sprachmodellen benötigt wird. Chainalysis bezeichnet diese letzte Kategorie, die Model Inference, als eine der größten.

Der Bericht zeigt auch, wie stark die Arbeitsteilung entlang nationaler Grenzen verläuft. Von allen nachverfolgbaren Inferenztransaktionen stammten 88 % aus amerikanischen und nur 0,1 % aus chinesischen Wallets. Umgekehrt kamen etwa neun von zehn Zahlungen für Sicherheits- und Codeanalysen von Wallets mit Bezug zu China, fast alle an eine einzige Adresse: AgentLISA. 

Weltweit betrachtet ist die Aktivität von KI-Agenten derzeit noch gering. Dennoch wird erstmals sichtbar, dass hinter diesen digitalen Währungen ein Muster tatsächlicher wirtschaftlicher Aktivität steckt.

Weitere Nachrichten

  1. Qivalis macht einen wichtigen Schritt in Richtung eines europäischen Euro-Stablecoins. Das Konsortium besteht aus 37 Banken aus 15 Ländern. Am Mittwoch erhielt es von der niederländischen Zentralbank die Lizenz als E-Geld-Institut. Damit ist eine wichtige Hürde für MiCA genommen. Laut spanischen Medien strebt Qivalis einen Start im November auf Ethereum an. Das Ziel: europäisches digitales Geld für Zahlungen, Kryptowährungshandel und On-Chain-Wertpapiere.

  2. Operation Choke Point 2.0 hat tatsächlich stattgefunden, bestätigt die US-Regulierungsbehörde OCC. Laut der OCC haben Banken systematisch ganze Sektoren, darunter auch den Kryptomarkt, von Bankdienstleistungen ausgeschlossen. Damit erhalten die langjährigen Verdächtigungen nun endlich eine offizielle Bestätigung. Obwohl die OCC diese Entwicklung als höchst unerwünscht betrachtet, dürfte das zugrunde liegende Problem fortbestehen: Banken müssen als Polizeibeamte agieren, und ihre Risikopolitik wird von politischen Einflüssen bestimmt.

  3. Trumps Krypto-Team im Weißen Haus hat sich größtenteils aufgelöst. Letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass der Vorsitzende des Präsidialrats, Patrick Witt, zurücktritt. Der Grund ist formaler Natur: Seine befristete Amtszeit ist abgelaufen. Zuvor hatten bereits Bo Hines, David Sacks und Harry Jung ihre Positionen verlassen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, doch der Exodus ist angesichts der festgefahrenen Situation um den Clarity Act bemerkenswert. Derzeit ist unklar, wer die stockenden Verhandlungen führen wird.

  4. Egal, wohin die KI-Entwicklung führt: Bitcoin profitiere davon, schreibt Bitwise-CIO Matt Hougan. Starkes Produktivitätswachstum sei etwa gut für knappe Vermögenswerte. Doch auch wenn sich der KI-Boom als platzende Blase entpuppe, komme Bitcoin gut damit zurecht. In diesem Szenario erwartet Hougan Rettungspakete und Geldspritzen, die den Bitcoin-Kurs stützen würden. Und bei moderatem Wachstum? Dann würden weitere Adoption und ETF-Zuflüsse für den nötigen Auftrieb sorgen, so Hougan. Unterm Strich ist er in seinem Brief an die Bitwise-Anleger optimistisch.

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